Wegbeschreibungen

Wegbeschreibungen.
22.4.2019
Sachliche Wegbeschreibungen liegen mir nicht. Ich vergesse Fakten. Der Grad der Vergesslichkeit bezeugt für mich dann auch eher die Wichtigkeit oder Unwichtigkeit.

Durch ein Unglück, eine kleine Misslichkeit, oder war es zuletzt dann doch ein Missgeschick, war ich ungeschickt, habe ich mein Taschenmesser verloren, liegen gelassen. In Neuklosterburg, ich nutze eine hölzerne Tischgarnitur mit beidseitigen fest montierten Bänken, es war so praktisch und angenehm, die Sonne brach die Bäume, fand ihren Weg durch die jungen Triebe und Knospen, erwärmte den Platz zum Frühstück, Taschen sortieren und packen.
Der runde Griff, er liegt angenehm in der Hand, er birgt eine genügend lange Klinge, ist scharf, es ist leicht, war das Verhängnis. Es rollte vom Tisch. Es war aus den Augen, der Tisch war nach dem packen leer, ich hatte alles eingepackt. Das Messer ist weg. Schade. Es hatte mich auf schon so vielen Reisen begleitet.
Das Messer ist für mich wichtig. An Lage, Situation kann ich mich genau erinnern.

Unwissend, den Verlust noch nicht bemerkt, startete ich in den Tag.
Das war ein komischer Tag. Wien hatte ich gestern noch zu Fuss erkundet, soweit es ging, soweit ich gehen konnte. Mehr ging nicht. Nur einen kleinen Teil hatte ich gesehen, einen kleinen weiteren Teil wollte ich heute, vom Fahrrad aus, umherblickend, erfahren.
Der Start war noch verheißungsvoll, an der Donau entlang, den Donaukanal, dicht an Wien.
Doch der Weg war wie im Untergrund, dicht gedrückt an hohen Wänden, unter Strassen, über verlassene Uferpromenaden, Randgebiete, Nachts belebt, durch Bars, Graffitykünstler, Mondsüchtige.
Es war Ostern, es war ein Sonntag, stille auf den Straßen, ein paar Jogger husteten, keuchten. Am Ortsenden dann sammelten sich wieder viele Rennradfahrer. Wien, Österreich scheint ein sehr Rennrad affines Völkchen zu haben.
Und dann habe ich mich zu sehr auf die Planung meines Fahrrad Navigator verlassen, der Weg Richtung Slowakei, nach Bratislava. Pressburg.
Er führte mich durch Einöden, langweilige Straßen und immer wieder über die B9. Zum Glück ist heute am Sonntag nicht zu viel Verkehr gewesen da.
In Petronell Carnuntum beendete ich meine Tagestour, was für eine Name. Carnutum. Carnutum eine Legionsstadt der Römer. Wieder, und jetzt so deutlich, bin ich in das Reich der Römer eingedrungen. Ihre Spuren, werden mich ab jetzt noch, öfter, begleiten.
Ich nehme eine Zwangspause, der Sehnenansatz linkes Knie schmerzt,
Ich zog einen kleinen, noch nicht geöffneten, Campingplatz, mit Dusche, richtiger Toilette, und Strom der Wildnis heute vor. Man übergab mir den Zahlencode für die Türen und überlies mich dann alleine dem Schicksal.

(Es gab Nudeln zum Abendessen )

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