Category Archives: die 5te Etappe – Pakistan

5.10.2019 Fotos

4.10.2019

4.10.2019
Von Jafarabad nach Gilgit
67,81 km 4:15 Std 15,44 Schnitt 555 hm

Wie auch gestern schon kam ich durch einige kleine Ortschaften, einzelne waren mehr bäuerlich geprägt, dem Anbau von Äpfeln, Kirschen und Aprikosen zu gewandt, in den zunehmend (hä? abnehmend)  immer tiefer liegenden Flächen,  kamen erste Getreidefelder hinzu.

Andere waren eher Ansammlungen von Geschäften, Handel, Grundversorgungsmittel, Metzgereien, Fleischhandel, Hühnermetzger, und kleinen Straßencafés, Restaurant mit wenigen Plätzen, oft nur ein Gericht zur Wahl. Ein gewichtiges Treiben, handeln, die Versorgung mit Lebensmitteln, vornehmlich Fleisch herrschte vor.

Dort machte ich erste Bekanntschaft mit der hier hin und wieder angebotenen salzigen Variation des schwarzen Tees mit Milch. Unbekannt, ungewöhnlich, ungewohnt aber nicht unangenehm, die Zunge, der Geschmack und die Sinne warteten auf den süßen Kick, vergeblich.

Vor Gilgit wurde das Tal breiter, sandiger und windiger. Der unglaublich feine Sand, staubig, zu Windhosen emporgehoben, wehte unablässig, blies und fegte mir entgegen, setze sich in jede Pore, durchdrang die Wäsche, das Gepäck und lies die Zähne knirschen.

Gilgit eine quirlige, lebhafte, emsige Stadt empfing mich, beobachtend, freundlich, neugierig. Ich glaube eigentlich sind es drei Städtchen, zusammen gewachsen, aneinander geschmiegt.

Einiges hat sich auf den hundert Kilometern geändert- das Wetter schlug um, es blieb kühler, das Gebiet der Ismaliiten wich den Schii, bärtige Muslime mit Turban nahmen den Platz der offenen Hunzakuc ein und zu guter letzt nahm die Präsenz der bewaffneten Militärposten, teils mit großen Maschinengewehren aufgerüstete Jeaps und Bastionen zu.  Egal.

Mein Erkundungsgang gestern Nachmittag und Abend sicherte mir aber weiterhin das Gefühl hier gut aufgehoben zu sein. Also lass kommen.

Auch war ich mit ein paar Photos wieder zu frieden.

Gesichter.

Gesichter, Ausdrücke, Lebensgeschichten, Spiegelbild der Seele, der Sehnsüchte. Man braucht Zeit sich in einer neuen Region, einer uns, mir fremden Kultur, Religion, einer fremden Gegend einzutauchen.
Zu sehen, das zu sehen, zu finden was man photographieren, zeigen, dokumentieren will ….
Das Gesicht das Dich anschaut spricht mit Dir – Ihre Augen, der Blick, ihre Mimik….hier mein Ordner Gesichter von gestern (Text zu der Veröffentlichung des Bilderordners „Gesichter“ 5.10.2019 Gilgit, Pakistan)

Gilgit Straßenleben.

Das Leben spielt sich hier auf der Straße ab, Schuster flicken Schuhe, halbe Rinder, Yaks werden am Bürgersteig zerlegt, Obst verkauft, Handelgetrieben,  es wird getötet, gekocht und gegessen, eingekauft….. ist so…. man muss nicht hingucken, aber Fleischesser sollten alle hinschauen, wissen, dran denken ….denn das Schnitzel kommt hier nicht von Aldi, eingepackt, eingetütet, zur Unkenntlichkeit der Herkunft zerlegt, anonymisiert,  sondern vom kurz vorher noch lebenden Tier, das Dich angeschaut hat.

Ich machte mir Gedanken ob es albern ist, als Tourist, als Besucher sich mit den traditionellen Bekleidung auszustatten, die Hunza Mütze, einem Punjabi Suit , sogenanntem Salwar Kameez oder Shalwar Kameez, Ein Kamiz ist ein längeres Hemd, in aller Regel ab der Hüfte abwärts geschlitzt ist, um mehr Bewegungsfreiheit zu ermöglichen, das locker über einer Hose dem Salwar getragen wird.

Begriff Kamiz stammt aus dem Arabischen, Salwar aus dem Persischen. Ein Salwar Kamiz besteht aus drei Teilen: Salwar, Kamiz und Dupatta. Das Hemd für Männer wird auch Kurta genannt.

Viele Reisende tragen diese Hemd, Hosen Kombination, tragen die traditionellen Hunza Mützen.

Albern? Schick, praktisch?

In keinem anderen Land konnte ich es verstehen, nachvollziehen. Hier, passt es, würde es sich gut und richtig anfühlen. Man identifiziert sich nicht, sondern schätzt die Pakistani, möchte mit ihrer Kleidung vielleicht zum Ausdruck bringen dass man sich hier wohl fühlt, und in die Welt der Hunzakuc, den Pakistani eingelebt hat, oder sich angenommen und respektiert fühlt.

Gerne da ist.

3. Oktober 2019

Karimabad, Jafarabad, Gilgit
3.10.2019
Karimabad Jafarabad
45,90 km 2:48 Std 16,39 Schnitt 457 hm

Der Aufbruch in ein neues Land. Spannend, aufregend und doch so leicht. Pakistan überwiegend muslimisch geprägt, verschiedener Strömungen, hier im Norden von Ismailiten, Grenzüberschreitend zu Tadschikistan und China bewohnt,  machte mir den Eintritt in diese fremde Welt leicht.

Eine Welle der Offenheit, Gastfreundschaft, eine warme Willkommenskultur, mit Respekt und Höflichkeit schlug mir entgegen.

So waren die ersten Tage, so war mein nächster Fahrtag. Der Karakorum Highway mit Hilfe der Chinesen in dieses wilde Land, durch die Schluchten, entlang schroffer Felsen, brüchiger, von Erosionen, brachialen Gerölllawinen geformter Hänge und durch Abstürze bedrohter Wege, gebaut, ist die Lebensader dieses Gebietes. Unzugängliche kleine Dörfer, alte rekonstruierte, von Hand geschlagene, mit groben Brocken unterstütze steile schmale Trampelpfade, in schwindelnder Höhe, entlang des reissenden Flusses, im Zickzack erinnern, mahnen an die alten Tage der Seidenstrasse, der beschwerliche Weg aus dem chinesischen Uiguren Stadt Kasghar über Tashkurgan, dem Karakorum nach Peshawar.

Heute ist die ausgebaute Straße ein Genuss.

Es war merklich kühler geworden, doch die im losen Rhythmus immer wieder kommenden Steigungen brachten genügend Wärme in meinen Körper.

Zeit wollte ich mir nehmen. Mehr sehen, mehr erleben, mehr von dieser symphatischen Ecke der Welt mit nehmen.

Fahrradfahrer die sich durch übertrieben Anspruch, Leistung, Kilometer fressen, Strecke machen, Zeitmangel, den Spaß an der Reise an den Landschaften, dadurch auch den Kontakt, die Begegnungen mit der Bevölkerung nehmen, verpassen das was sie eigentlich bereisen wollten. (Oder, geht es ihnen nur um die Km, Höhenmeter, Strecke, Namen von erlegten Pässen? Das wäre sehr schade.)

Die Vollkommenheit der Reise Erfahrungen, das Runde der Reise, die Ausgewogenheit der Fahrt, dies ist  schon schwer vollkommen zu erreichen, es ist Zeit intensiver, immer fehlt trotzdem ein Stückchen, hat man nicht alles gesehen, erfahren, mitbekommen, es ist aufwendiger, aber lohnenswerter. Eintauchen, die Atmosphäre atmen, Begegnungen leben und erleben lassen.

Fotos vom 27.09. bis 2.10.2019

2. Oktober 2019

Mittwoch  den 2. Okt. 2019

96 Kilometer bis nach Gilgit, 1700 Höhenmeter. Der Himmel verhangen, die Temperatur ist um 20°C auf 8°C gefallen, es wird sich auch die nächsten Tage nicht ändern, sollen wirklich die schönen Sonnentage zu ende sein?

Ich werde mir noch einen Tag in dem teuren Laden hier gönnen – und mit einem bisschen Mut und Muße morgen starten, vielleicht auch nicht direkt bis nach Gilgit, sondern vorher mir einen schönen Platz in diesem traumhaften Tal suchen

https://www.tagesspiegel.de/kultur/rezept-fuer-ewige-jugend-im-tal-der-unsterblichen/10117380.html

1. Oktober 2019

Dienstag den 1. Okt. 2019

Vor kurzem schrieb ich dass ich mit meinen Photos nicht mehr zufrieden war, bin. Etwas fehlte, Ausdruck, Tiefe, Farbe, dachte sie sind langweilig, uninteressant, stumpfes Geknipse. Hatte ich keine Zeit zu schauen, keine Muse, kein Auge für das was mich umgab. Ich weiss es nicht.  Eines stellte ich fest, das Licht, das Licht ist stehts recht steil, die Sonne kommt spät über die Bergrücken, die Täler tief werden nicht von der tief stehenden, der auf- oder untergehenden Sonne erreicht, sie strahlt diffus oder steil. Ein schlechtes Licht, kontrastarm.  Mag es das sein, dass mich stört, das mir fehlte?

Geld
Seit Sost ist es schwer an pakistanische Rupien zu kommen. Die Geldautomaten nehmen nur lokale Bankkarten an, kaum Mastercard, Geldwechsel von Dollar oder Euro zu Rupien ist nur wenigen Banken vorenthalten, die nächste soll in Gilgit sein, weitere 100 Kilometer entfernt. Ich zahlte meine Übernachtungen mit Dollar und lies mir das Rückgeld in Rupien auszuzahlen.

Die Fahrt auf dem Yak Moped.
Das wollte ich ja gerne machen. Nach der Probefahrt mit der Honda mit Fell und Hörnern, sie hatte allerdings ein paar kleine Mängel, keinerlei funktionierendes Licht, Hupe, vorne gar keine Bremsleistung , hinten vielleicht 20 %, liess ich sie stehen und lieh mir ein neueres, besseres Modell der 125 ccm Honda um meine Erkundungen in Karimabad fortzusetzen.

Was denkt ihr, wenn man vor einem Bankschalter, in einer über 7 Kilometer entfernten Stadt, einem eine Frau, auffallend sympathisch, vielleicht zwanzig, oder mehr Jahre jünger, irritiert durch das plötzliche Gegenüber, ausrutschend, beinahe in die Arme fällt, lachend grüßt, einem ein „Wunderbar“ heraus fährt, der Moment, die Bilder sich tief festsetzen, man den Blick nicht vergisst und man über 2 Stunden später an einem ganz anderen Ort, nach dem Besuch der zweiten Burg, wir uns wieder auf das herzlichste grüßend gegenüber standen?

Ich konnte meine Verwunderung aber auch Freude darüber kaum verbergen.

Sie lachte, (Ihre Schwester, oder Schwägerin auch), verwies darauf dass das Geschäft mit Souvenirs, Schmuck, vor dem ich stand, ihres (oder ihrer Familie) sei und lud mich auf eine Tasse Tee ein.

Nichts lieber als das.

Es soll ja keine Zufälle geben, mit Bestimmtheit aber eine selektive Wahrnehmung, aber egal, es war eine wunderbare Erscheinung…