Author Archives: derspurensucher

Belgrad

8.5.2019

Belgrad
Ich sitze im Hostel, habe mich neben dem Empfang, neben der Küche, neben einen Fernseher, zu einem anderen Reisenden gesetzt.
Ich möchte noch ein paar Zeilen schreiben.

Eine Unterhaltung ist schwierig, er übersetzt mir ein paar aktuelle Nachrichten, 20 Tonnen Kokain gefunden, Braunbären nehmen überhand, überfallen Dörfer, Bienenstöcke Stallungen.
Die Informationen nehme ich auf, auch dass er den serbischen Präsidenten nicht mag, wie mir schon mehrere bestätigten, ist er wohl nicht beliebt. Aber darum geht es nicht.
Es ist 19 Uhr, morgen will ich weiter, in meinem Zimmer sind zwei baufällige, saubere Betten, aber kein Tisch und kein Stuhl.

Ruhetag in Belgrad.
Was macht die Stadt aus, Serbien?
Zuerst einmal die Menschen auf die traf, die ich sah, mich sahen, meinen Weg kreuzten, in Parks, auf der Straße in Geschäften waren allesamt sehr freundlich. Auch zurückhaltend, keine Motzereien in der Schlange vor vollen Supermarktkassen, keine Rempeleien, Vorfahrt wird gewährt, freundlich gewunken, sich bedankt, höflich gewartet.

Gestern rollte ich von Novi Sad nach Belgrad, war mit meiner Leistung zufrieden, war zufrieden mit Knie und Kondition, teilte meine Kraft am Berg gut ein, und genoss den Rückenwind, der mich schob, beschleunigte.
Es war verzückend mit welcher Leichtigkeit man dann, wenn dann mal alles stimmt, mit über 30 Stundenkilometer, durch das ländliche Serbien geschickt wird.
Aber der Rückenwind ist kann auch ein Biest sein, flapsig, der Gefahr nicht Bewusst, stülpte er mir den Poncho, es war mein Wind Kälteschutz, von hinten nach vorne über. Am Kopf und Helm befestigt lässt er sich nicht mit einer Hand abstreifen, öffnen, die Sicht befreien.
Es half nur sofortiges Bremsen, absteigen und durchatmen.

In Belgrad fand ich dieses nette Hostel direkt in der Altstadt, nahm meine begehrte heiße Dusche, dankend, selig, packte meine sechs Taschen aus, sortierte um, legte meine Speicherkarten zur Datensicherung raus, zog mich für einen kleinen Spaziergang an, der mich allerdings nach wenigen Minuten schon in ein Restaurant, mit Musik, einem serbisches Sextett, Bier, Wein, zu kleinem Salat aber leckeren Cevapcici führte.
Ich hatte ja am kommenden Tag frei.

Den freien Tag heute verbrachte ich nur spazierend. Etwas über die modernen Einkaufstraße, entlang unzähliger Kaffees, zur alten Festung, durch ein paar Parks und wieder zurück zum Ausgangspunkt.
Das Nationalmuseum, ich stand schwankend davor, lies ich dann Anbetracht des wirklich schönem Wetter, aus. Irgendwie auch schade.
Wichtig wäre, das ich mich meinem GPS einmal beschäftige. Wieder beschäftige. Ich habe es schon auf den Reisen 2011 und 14 auf dem Motorrad genutzt, es war mir sehr hilfreich, stand mir immer gut zu Diensten.
Jetzt müsste ich aktuelle neue Karten finden, laden und mich mit der Handhabung wieder neu vertraut machen.
Es gibt auch ein paar Briefe, die ich noch nicht beantwortet habe, Fragen an ein paar Leute, die mir einwenig auf den Nägeln brennen, die noch nicht gestellt sind. Es gehört zur Reisebewältigung, es sind Fragen und Antworten die durch meine Reise, durch mein Abstand nehmen zu meinem Alltag, dem weniger Erreichbarsein, dazu gehören.

Dazu gehört auch ein Kommentar zu einem Tagebucheintrag, den ich bekam, den ich noch nicht freigegeben habe, den ich auch noch nicht beantwortet habe.
Er war etwas aus dem Kontext gerissen, passte auf den ersten Blick gar nicht unter den Tag, er war anonym, er war persönlich.
Es stellt mich vor eine Aufgabe. Eine klare Frage wäre mir lieber gewesen. Aber gut.

Ich möchte mit der Beantwortung des „anonymen“ Kommentars so beginnen, dass ich Dich lieber Schreiber, bitten möchte, mehr von mir zu lesen.
Ich werde viele, wahrscheinlich alle Punkte, beantworten.
Ich werde die Antworten, ich hoffe, dass es Dir Recht ist, in den nächsten Tagebucheinträgen einfließen lassen.

Ich werde dazu Stellung nehmen warum ich reise, welche Forderungen ich an mich, an mein Umfeld, an meine Freunde, an meine Familie stelle und welche Forderungen nicht.

Die Menschen sind nicht böse, sagst Du.
Nein, sind sie zu Beginn nie.

Schau Dir Kinderaugen an.
Schau Dir an mit welchen Erwartungen, wie offen, wie interessiert, wie begierig, wie gutmütig, wie liebevoll, hoffnungsvoll, wie ehrlich und authentisch und vertrauensselig sie sind.
Aber das alles kann kaputt gemacht werden. Man nimmt ihnen das Vertrauen, die Zukunft, zerstört ihre Seelen, Ihre Bindungen, ihre Familie, aus Gier, aus Machtinteresse, aus Egoismus, aus eigenen Verletzungen, aus Rache, ungeschickt, aus Versehen aber auch bewusst. Und das ist dumm und böse.

Bilder vom Tag

unverhofft

3.5.2019 -5.5.2019
Von Baja nach Mohacs(Ungarn), nach Osijek (Kroatien) und dann eigentlich nach Ilok.

So, nun habe ich mir meinen Computer genommen, ich möchte nun endlich mit meinem Tagebucheintrag beginnen.
Ich sitze auf dem Bett. Habe das Schreibprogramm geöffnet, einen Blick in den letzten Eintrag geworfen, eine Übersicht über die Strecke, einen Kartenausschnitt aufgeschlagen, mein Bilderarchiv geöffnet.
ach – was schreibe ich, was alles, was nicht. Wie sehe ich das heute? Nur ein zwei Tage später. Schon blicke ich mit einem wenig anderen Blick auf die Geschehnisse der vergangenen Tage.
Haben Einzelheiten einen anderen Stellenwert.

Vielleicht schreibe ich diesen Eintrag unter den Titel „unverhofft“.

Das kleine beschauliche Örtchen Mohatsch (Mohacs) war schnell erreicht.
Die Abfahrt aus Bajar war leicht. Ich wollte doch nun besonnen vorgehen, hatte die Wetterprognose studiert, mich ein wenig mehr über Strecke, und Distanzen informiert.
Wie wollte ich es handhaben?
Die nächsten Ortschaften waren, für die nächsten drei Tage, schnell ausgewählt. Mohacs noch in Ungarn, dann nach Osijek in Kroatien und dann vielleicht noch bis nach Ilok.
So hatte ich recht kurze Etappen, schon in den frühen Mittagsstunden des ersten Reisetages, erreichte ich Mohacs, mit der Fähre ging es rüber zu dem kleinen, beschaulichen Örtchen, ich fand eine sehr günstige Unterkunft, verstaute meine Sachen und begab mich auf eine Erkundungstour durch den Ort.
Auch der zweite Tag war recht locker. Gutes Wetter, leichter Rückenwind und nach nur 60 Kilometer erreichte ich schnell Osijek im Osten Kroatien.
Wieder musste Geld gewechselt werden. Die letzten ungarischen Furint habe ich nur noch mit Mühe an ein paar ungarische Touristen, zu einem für sie sehr vorteilhaften Kurs, abgeben können.
Jetzt brauchte ich Kuna. An einem Automaten zog ich mir den Gegenwert von 40,- €. Es sollte reichen für 2 Tage Kroatien, Essen, Trinken und vielleicht auch eine Übernachtung.

Unverhofft früh fand ich auch dort eine günstige Unterkunft, ein einfaches, ein kleines Zimmer, Toilette und Bad im Flur auf der Etage, aber ausreichend. Zeit genug ein paar Lebensmittel Besorgungen zu machen, Essen für den Abend, für das Frühstück, und gerne kaufe ich mir einen Liter Apfelsaft, um die ersten drei Trinkflaschen mit etwas mehr Geschmack und auch etwas Zucker anzureichern.
Auch da hatte ich noch mal genügend Zeit die Gegend, einen Teil der Altstadt und einer ehemaligen Befestigungsanlage aus dem 18 zu inspizieren. Die Wirkung, die Ausstrahlung der alten Gemäuer beeindruckten mich. Die Wege, die Abstände zwischen ein und zwei geschossigen Häusern sind unglaublich breit. Alles steht satt und breit dort, beharrlich, Geschichte, Geschehnisse versteinert, Häuser belebt, bewohnt, benutzt neben verlassenen, offenen, wartenden, archaischen, verharrenden Fassaden, großen Komplexen, unentschieden zwischen Aufgabe und baldiger Renovierung. Es war wie in einem unwirklichen Film, Menschen zwischen den Kulissen, zwischen der Geschichte, dem Vergangenem und dem Sein.
Ich sah Besucher auf einem Flohmarkt, in den Kaffees, in den Seitenstraßen, aber konnte bis auf wenige Ausnahmen niemanden als Bewohner ausmachen.

Morgen wollte ich weiter.
Leichter Regen, Nieselschauern waren für ein paar Stündchen, streckenweise angesagt. Der Tag darauf sollte auch nicht besser werden. Einen Ruhetag konnte und wollte ich mir nicht leisten.
Weit sollte es darauf hin nicht gehen. Nach Ilok, das war für mich sicher, sicher nicht zu weit, auch bei schlechtem Wetter, gerade um die 75 Kilometer. Ich konnte mir die Strecke in einfache 25 Etappen aufteilen.
Und es war frisch am Morgen, es war bedeckt, ein Feuchte lag schon drohend in der Luft. Niesel, ein stetiger ganz leichter Nieselregen.
Bevor ich den Regenponcho oder sogar die Regenhose anziehen wollte, wollte ich soweit wie es nur ging ohne kommen.
Im Regen fahren ist bescheuert.
Zieht man keine Regenkleidung an nässt einen der Regen, hat man Regensachen angezogen schwitzt man und selbst unter dem immer noch nach unten recht offenen Regenponcho staut sich die Körperwärme, der Schweiss, die Luft, es atmet nicht…man wird nass.
Egal, dreimal 25 Kilometer, dreimal vielleicht 1,5 Stunden..und dann nach einer schönen Unterkunft suchen.
Sonntags in Kroatien, und Sonntags auf dem Land. Nichts los. Die Männer sitzen in den einem der zahlreichen Kaffees, überall und in jedem Ort gibt es eins, sie rauchen, trinken Kaffee, Bier, quatschen. Verbringen dort Stunden, treffen sich mit Freunden, Nachbarn.
Erste Pause, ich steige ab. Es regnet mittlerweile richtig. Ich genehmige mir einen Kaffee, esse ne Banane und ziehe mir alles an Kunststoff über was mich schützen könnte.

Aus der Ferne sehe ich einen bepackten Radreisenden auf mich zu kommen, winken, und weiterfahren.
Ob ich ihn wieder sehe? vielleicht hat er mich am Kaffee stehend nicht als Reisenden ausgemacht, hat deswegen nicht gehalten. Nun, egal. Ich packe zusammen und will mich gemütlich auf meinen nächsten Abschnitt begeben.

Nach wenigen hundert Meter schon sehe ich ihn unter einer Bushaltestelle stehen.
Er zieht sich um. Die Begrüßung, einfach, sachlich und ein kurzer Austausch. Es ist seiner fünfter Regentag, täglich zieht er sich zweimal um. Christof 68 Jahre alt. Ja er will auch Richtung China.
Wir wollen ein Stück zusammenfahren, später gemeinsam einen Kaffee trinken, dann mal sehen.

Das war der Anfang vom Ende.
Regen, schlechte Sicht, das Wasser rinnt mir über die Stirn die Wangen runter, ich spüre den Fluss.
Ich lasse ihn vorfahren, hefte mich dran. Er tritt. Er tritt einen schweren Gang, drückt das Rad dem Regen entgegen, kräftig, gleichmäßig, konsequent, strikt.
Er ist schnell. Ich habe Mühe. Es geht weiter. Die Gegend verschwimmt, wir rauschen durch kleine Ortschaften, vorbei an nass gesogenen Feldern, schweren Lehmböden. Es wirkt alles grau, triste. Der Tritt wird schneller, gleichmäßiger, die Atmung stellt sich dem neuen Rhythmus des Tritts.
Ich sehe nur die sich leicht wiegend Bewegung seines Oberkörpers. Stoisch, beharrlich, unermüdlich, diszipliniert wirkt er.
An Kreuzungen, Weggabelungen, verlangsamt sich kurz die Fahrt, wir wechseln ein paar Worte, ich sagte ihm er sei schnell, ich will eh nur bis Ilok, das schaffe ich vielleicht bei dem Tempo, er sagte er will noch weiter.
Aus der Schweiz kommt er. War Bauer. Fährt jetzt seit 5 Jahren Rad. War schon hie und da. War schon zweimal zum schwarzen Meer. Jetzt will er zum Pamir.
Er sei nicht schnell, fahre nicht soviel, die Geschwindigkeit, die Leistungen kommen mit der Zeit von ganz alleine. Mit der Zeit, nun ja.
Ein Blick auf seine geplanten Etappen zeigen mir nur Distanzen weit über 100 Kilometer. Am kommenden Freitag will er in Burgas sein. Ich sagte das sind über 800 Kilometer, er quittierte das mir nur mit einem Schulterzucken.
Eine kurze Pause, ein Kaffee wird in Vukovar genommen. 38 Kilometer sind gefahren. Alles ist nass. Wir sitzen neben den Fahrrädern draussen, können nicht lange pausieren, die Kälte kriecht in den sich beruhigenden, sich schnell abkühlenden Körpern hoch.
Wir starten wieder. Unablässig geht er voran. Auch an den drei Rampen, sehe wie er schaltet, geht langsam an den Berg, tritt, schiebt sich dann konstant nach oben. Abfahrten nimmt er ungebremst. Die Tropfen schlagen ins Gesicht, treffen die Augen, die Lieder, es sticht. Behindern die Sicht. Ich muss die Geschwindigkeit bergab verringern. Nach wenigen Minuten ist der Körper wieder auf Betriebstemperatur, die Kälte wird rausgedrückt, Füße und Finger brauchen noch.

Ilok.
Ich schnaufe. Alles rinnt. Der Scheiß rinnt mir in die Augen, wird vom Regen abgewaschen. Die Handschuhe triefen, die Kleider sind schwer. Der Ort wirkt verlassen.
78 Kilometer. Aus meinen kleinen kurzen Teilabschnitten ist nichts geworden. Nun gut. Ich bin da.
Christof nimmt nur noch einen Kaffee mit mir. Er will noch weiter. 50 Kilometer bis nach Novi Sad.
Das tue ich mir nicht an. Jetzt Vernunft walten lassen. Über das Mobiltelefon, die Verbindung ist schlecht und langsam, suche ich nach einer Unterkunft, einem Hostel. Ich kann mit diesen nassen Sachen nicht zelten gehen.
In Ilok ist die einzige zu findende Unterkunft bei 40,-€ drüber auf der anderen Flussseite beginnt Serbien. Es soll günstiger sein. Das müsste zu schaffen sein.
Ich verprasse in einem Restaurant meine letzten Kuna, streife mir die nassen Sachen wieder über und fahre, von nun an wieder alleine, zu der günstigsten Pension, die ich über mein Telefon habe finden können, 11 Kilometer weiter.
Ein eiskalter Wind pfiff auf der Brücke, kühlte zusätzlich, erschwerte es mir wieder in den Tritt zu kommen, von Grenzstation zu Grenzstation, Kroatien, Serbien. Man lies mich vor, warf einen Blick auf meinen Pass, lies mich ziehen.
Nur noch 8 Kilometer dachte ich, dann ist genug, dann ist es genug für heute. Ich sehnte mich nach einer heissen Dusche.
Weiterhin Rückwind. Was für eine Wohltat. Solange ich mit Rückwind fahre kühlt er mich nicht zusätzlich aus. Stehenbleiben, auf die Karte schauen, die Entfernung abschätzen war direkt unangenehm, ich begann zu frösteln, die Zehen wurden kalt, die Finger eisig.
89 Kilometer.
Ich stehe vor dem verschlossenen Tor des Hostels. Niemand macht auf. Keiner reagiert auf meinen Anruf. Ich hatte gebucht, ich hatte eine Buchungsbestätigung.
Was sollte ich tun? Zurück zu dem letzten Ort. Sieben, Acht Kilometer gegen den Wind.
Aber zurück? Wollte ich nicht. Zelt aufschlagen? Weiter auf der Strecke, nach irgendeiner anderen Absteige schauen? Ich durfte nicht länger warten, nicht weiter auskühlen.
Weiter.
Weiter. Körperlich fühlte ich mich gut. Nur kalt, kälter durfte es mir nicht werden. Ich musste wieder in Bewegung kommen. So lange bewegen bis ich an einer Stelle, an der ich bleiben kann, angekommen bin.
Und so trat ich wieder in die Pedalen. Es lief und es lief weiter, ich nahm den Rhythmus wieder auf, kam wieder in den Tritt und rauschte wieder mit hoher Geschwindigkeit weiter.
Aber es war nichts zusehen, nichts zu finden. Alles war zu, geschlossen oder aufgegeben. Es dämmerte. Der ganze Tag war schon dunkel, jetzt schaffte die immer tiefer stehende Sonne es bald gar nicht mehr durch das Grau, durch den Regen die trübe Landschaft zuerhellen.

Ich rollte und trat.
Unablässig einfach weiter. Was sollte ich anderes tun? Es war später Nachmittag. Dann musste ich einfach in die nächste Stadt kommen, egal wie. Einfach weiter treten, dachte ich. Hier ist nichts.
Ein neuer Radweg öffnete sich von der Seite. Er war glatt, er war schnell und er gab Hoffnung. Kein Kies, keine Schlaglöcher nichts was bremste. Hier lief es und er gab Zuversicht, ich schaffe es.
Dann begann ich rückwärts zu zählen. Nur noch acht, nur noch vier nur noch zwei Kilometer.
Mein Blick viel immer wieder auf meinen Tachometer.

Novi Sad erreicht.
122 Kilometer in 6 Stunden, und Regen bei durchschnittlich 9 Grad.

Ich suche das Zentrum, ich nehme mein Mobiltelefon, suche ein Netz, suche eine Hotelplattform.
Nichts.
Kein Netz.
So gondele ich langsam im Zentrum durch die Straßen.
Entweder die Absteigen waren teuer, richtig teuer oder ausgebucht.
Dann stand ich vor dem Zenit.
Das Zenit hat 3 Sterne. 35,- € plus Frühstück, ein Muß, also 42,-€ bitte der Herr.

Das war ein teurer Spass heute.
Aber ich bin wirklich auf dem Zenit. Hier gibt es nicht nur Klopapier auf der Toilette (in Osijek nicht!)..sondern alles, richtige Seife eine tolle Dusche, einen Fön..welch ein Luxus.
Ich nehme das Zimmer, für 2 Nächte, ich muss alles trocknen, ich brauche eine Dusche.
Und ich dusche. Kennt ihr das wenn man aus der Kälte kommt, sich unter eine heisse Dusche stellt und tausende kleine Nadeln stechen?
Das Abendessen bestand aus 3 Broten, 2 Bier und 2 Wodka.

Bilder im Anhang,
von den letzten 3 Tagen
Von Christof dem Radfahrer, von Marcel einem Wanderer auf dem Weg nach Istanbul, Bilder aus Osijek, der Fahrt nach Novi Sad und einem kleinen Rundgang heute.

Kurzer Eintrag – für den heimlichen Mitleser und Kommentator

schon Klasse wer das jetzt liest. Ja Du. Dich meine ich. Ich möchte Dir sagen was ich von Dir halte.

Du hast mich bei Facebook entfreundet, aber liest und kommentierst meine offene Seite.
Du hast mich enttäuscht, wieder, aber es war klar. Du bist egoistisch, bequem, nur auf deinen Vorteil bedacht, oberflächlich, eingenommen und hast vom tuten und blasen keine Ahnung.
geht man so – miteinander um ?

Ich hätte es geschätzt, erwartet, dass man sich mit mir, mit meinen Aussagen, mit meinen Gedanken und insbesondere mit dem Inhalt meiner Aussagen auseinandersetzt – bevor man die Leinen einfach, klamm und heimlich kappt.
Hätte ich das nach all den Jahren der Bekanntschaft nicht erwarten können?
Es geht aber nur um Dich in Deinem Leben, nehmen, annehmen und den eigenen Arsch in die Sonne halten.

Du musst nicht meiner Meinung sein, meine Einstellung vertreten aber respektieren.
Du hättest mit mir, wenn Du abweichender Meinung bist diskutieren können, wir hätten lernen können, beide.
Aber da scheitert es an Einsatz, an Interesse und es macht Mühe.
Respekt ist das was hier fehlt. Dazu gehört Toleranz.
Freiheit und die freie Meinungsäusserung. Die unterbindest Du.
Also bleib zu Hause und bleib leise.

Ein Schritt weiter

2.5.2019
Baja Ungarn

2 Tage Pause in Budapest haben mir gut getan. Mehr mental.
Ich hatte mir für die Strecke, weiter in den Süden, von Budapest nach Osjiek, was vorgenommen. Früher raus, langsamer fahren, mehr genießen, mehr Pausen machen, genügend essen und trinken. Wieder ging ich einen nächsten Sprung, ein nächstes Ziel an, eine fiktive Etappe, in drei Schritten. Osjiek, in Kroatien gelegen, 280 Kilometer weiter im Süden, wollte ich versuchen in ungefähr drei Fahrtagen zu erreichen.
Ich hatte in den letzten 2 Tagen in Budapest, Schlaf nachgeholt. Meine letzte Besichtigungstour durch Pest, ein Spaziergang sollte es werden, hätte ich mir sparen können, von einem quälendem Harndrang getrieben, lies ich mich fatalerweise in einem versnobtem Touristenrestaurant, auf der dringenden Suche nach einem Abort, alternativlos, zu einer kleinen Menufolge verleiten, finanziell etwas bluten. Besser als in die Hose pissen.
Tags darauf blieb ich im Camp.
Aufbruch am Dienstag den 30.5. War ich gestärkt, stark genug?
Zwei Tage gutes Wetter waren vorausgesagt. Selten waren in der letzten Zeit Prognosen treffend.
Es war eine luftige Fahrt nach Dunaföldvar, gute 95 Kilometer, teils einsam über Dämme, Ortschaften ohne dass ich Leben gesehen habe, entlang riesiger Felder. Aus Budapest raus die bekannten Vororte, stickig, angegriffen, verbaut, verlassene Ecken, heruntergekommen, andere sich immer noch wehrend, Grenzgebiete, Grenzgebiete zwischen Wachstum, Sein, Wandel und Verfall.
Überhaupt findet man viele aufgegebene Orte. Kleine, zu kleine Häuschen, zu alt, zu abgelegen, nicht angeschlossen an das wachsende Netz, zu groß, zu unwirtschaftlich. Nicht mehr schön genug für den Nachwuchs. Zu schade. Oft waren es Kleinode, eingebettet in die Landschaft, eingefügt in die Reihen, verfielen sie, wuchsen zu, brachen ein.
Der Campingplatz in Dunaföldvar, den ich anstrebte, der einzige im weiten Umfeld, ich musste mich zu den letzten Kilometern aufrappeln, eine Wiese, ein paar Laternen, ein kleines Verwaltungsgebäude, Bäder aus den Siebzigern, Nachts ohne Licht, lebte nur noch durch das Herz, dem Lachen und der Freundlichkeit der Rezeptionistin. Ich habe es nicht bereut.

Der zweite Fahrtag stand zur Bewährung an. Baja war weitere gute 90 Kilometer entfernt. Ich musste mich noch einwenig mehr disziplinieren. Auf genügend Essen achten, auf meine Pausen.
Das Band, der Sehnenansatz am linken Knie piepste ein leises Hallo. Den Muskeln ging es gut. Ich wollte drauf achten.
Es war noch früh, es gab keinen Tisch, keinen trockenen Platz in der Nähe, so wollte ich im Ort mir meinen Proviantvorrat etwas aufstocken und mir dann ein überdachtes Plätzchen, eine behütete, windgeschützte, ruhige Bank zum frühstücken außerhalb noch suchen.
Es war der 1.Mai. Die Straßen leer, die Geschäfte alle, bis auf eine Art Tante Emma, geschlossen. Beeindruckend auf wie viel Ware ich traf, die Auswahl eines ganzen Supermarktes war in einen kleinen Raum gequetscht.
Der angesagte Sonnentag, lies noch auf sich warten und durch einen feinen Nieselregen vertreten. Nicht genug für Regensachen, unter denen man schwitzt, die Luft nicht genügend zirkuliert.
Ich radelte in den Tag. Eine Bushaltestelle diente mir als Frühstücksraum, lies mich geschützt ein paar weitere kleine Regenwolken vorbei ziehen.
Und dann rollte ich. Es lief, es ging, es ging vorwärts. Weg von Bekanntem, von vermeintlich bekannten Umgebungen, raus aus vorgestellten vermeintlich sicherer Umgebung, hinaus in die Welt, hinaus in die Fremde. Ich hatte Budapest hinter mir gelassen, jetzt das letzte Quartier abgebrochen.
Das Gefühl des Aufbruchs, morgens, bevor das Rad gepackt, bevor ich die Richtung eingeschlagen habe, begleitet mich immer ein Unwohlsein, eine Skepsis, was wird der Tag bringen, wo werde ich sein, ankommen?
Und dann rollte ich. Es rollte. Die Unsicherheit fiel zurück, das Gefühl der Sicherheit, der Hoffnung, des Interesses, der Aufmerksamkeit am Weg, auf die Reise, auf den Tag kam. Die freudige Spannung auf erreichen eines neuen Zieles, die freudige Erwartung auf ein neues Ereignis, auf neue Begegnungen.
Ich hatte auch das erste Mal wieder das Gefühl in den richtigen Schritten zu denken. Nur der Tag zählt. Ich wollte bis Baja. Nur das zählt. Ich konnte es verinnerlichen. Nichts anderes zählt. Die Distanz bis nach Vietnam ist weiterhin unbegreiflich weit, unfassbar, nicht vorstellbar. Aber Baja, das ist mein Ziel.

Und ich hatte ein Gefühl der Sicherheit, dass ich es schaffe, dass ich weiter komme, dass ich es schaffe kann.

Es war ein Sonntagsritt, ein Feiertagsfahrt, Zirpen unzähliger Grillen begleiteten den sich mechanisierten Tritt, kaum ein Blick auf die Uhr, anstrengend doch, leider ja, leider teils wieder etwas zu schnell, aber gut.
Zweimal fast 100 Kilometer. Ich gebe mir und dem Knie wieder einen freien Tag. Der Rhythmus wird kommen.
Belohnung und Stärkung in einem Hotel, Spenden nehme ich zur Unterstützung gerne an, Zimmer mit tollem Bett, einem guten Bad, ich wusch meine Radwäsche und kann meine elektronischen Geräte laden, Tagebuch schreiben, für 23,-€ die Nacht.
Das gönne ich mir.

Bilder sind von den 2 Tagen Fahrt und vom 2.5. 2019 dem heutigen Ruhetag.

Stillgelegt

28.4.2019

Wohin?

Die Überlegungen wann, wohin wie weit, haben sich erstmal erledigt.
Die Frage hat mich gestern schon beschäftigt, ich kam nicht zu einer Antwort.
Unruhe.
Ich merkte zunehmend warum.
Ich werde krank.
Im Wind wird mir schnell kalt, eingepackt beginne ich schnell zu schwitzen.
Treppen steigen belastete mich.
Schwäche etwas Müdigkeit.

Bin zurück auf meinem Zeltplatz, habe gegessen, einen neuen Radler kennen gelernt.

Gehe früh ins Bett.
Nacht

Es war gut dass ich heute schon ausgesetzt habe. Kühler Wind aus Nord Ost hätte meine Fahrt zu einer Qual werden lassen.
Böen von über 55 km/h

Werde noch mal Temperatur messen.

Komarom Begegnungen

Ich komme nicht zum schreiben.
Schon vor ein paar Tagen wollte Ich mich hinsetzen und schreiben.
Doch nach langen Fahrten, auch wenn sie nicht anstrengend waren, mich nicht so sehr ausgelaugt haben, fehlt mir die Energie zu schreiben.

Klar könnte ich ein paar Worte, ein paar Fakten kurz erwähnen, ein Lebenszeichen, ein kurzes Statement hinterlassen.
Aber wen interessiert das. 69 km gefahren 85 km gefahren 65 km gefahren.
Größere Sprünge kann ich zur Zeit noch nicht machen.
Noch liege ich auch im Schnitt, mein grob errechneter Zeitplan.

Doch Sachen die mir am Herzen liegen, Begegnungen, Bilder die sich mir eingebrannt haben, Momente die ich genossen habe, Freunde die ich gefunden habe, etwas was mich bewegt hat, berührt hat, dem würde ich gerne in meinen Worten, Sätzen, mehr Aufmerksamkeit schenken.
Dazu fehlt dir aber leider nach einem Fahrtag oft die Kraft.
Dann verschiebe ich, dann verschwimmen die Bilder, dann verliere ich manchmal die Worte die ich mir Tags, auf dem Rad schon zurecht gelegt hatte.

Und dann gibt es Momente, Begegnungen, die so eindringlich und berührend gewesen sind, dass sie beinahe unvergesslich geworden sind.

Ich schreibe diese Zeilen am Ende meines Ruhetages, hier auf einem Biker Campingplatz in Budapest. Es ist nicht viel mehr als eine Wiese hinter einem Herrenhaus, einem in den Vororten oft zusehenden Häuser, hoch liegende Fenster, geräumige hohe Decke, nur eine Etage, ein nicht zu steiles Dach deckt das fast quadratische Haus ab. Aus einem der Garagen und Schuppen ist ein Badehaus geschaffen worden, 2 Toiletten, 2 Duschen und 2 Waschbecken. Es ist sehr familiär. Ein überdachter Weg, er bietet Platz für Tische, Stromanschluss für die mobilen Geräte, Sitzgelegenheiten, eine offene Küche, umgibt die Zeltwiese von 2 Seiten.
Es ist günstig und sauber und wird wohl gerne von vielen Reisenden mit Zelt, Radfahrer, Rucksackreisende und Motorradfahrer angenommen.

Nun da sitze ich jetzt gerade.
Habe mir eine Dose Bier aufgemacht, ein Brot geschmiert, ein Glas mit einem Sellerie, Möhren-Krautsalat habe ich schon verputzt.

Und denke an Komarom.

Die letzten drei Fahrtage waren so unterschiedlich. Schöne Strecken, auf alten aufgegeben Landstraßen, unter Alleen, überbreite gut zufahrenden Wege entlang der Donau.
Laut meiner Navigation hätte ich eine Fährverbindungen nutzen sollen, doch ich glaube Linie wurde schon vor langem aufgegeben. Also wurde die Route geändert.
Teils war die Strecke, für den Fahrradweg, im Euro Velo6 sehr schlecht ausgezeichnet.
Ob in der Slowakei, oder im Ungarn, man sieht viele aufgegebene Träume, vielleicht erschaffen Ende der Neunzigerjahre, in der Hoffnung einen wirtschaftlichen Aufschwung mit erleben zu können, Vergnügungsparks verrotten, Campingplätze seit Jahren nicht angefahren, Anlagen über 20 Jahre teils mühsam nur erhalten. Man spürt aber durchwegs, dass auf Sauberkeit und Ordnung geachtet wurde, dass man lange es erhalten wollte. Durchhalten. Vielleicht geht es wieder aufwärts.
Und ja,
ich erinnere mich, auch schon auf der Einfahrt nach Budapest, über die Bundesstraße gestern, ein über 20 km schlauchender Weg, stickig vom Verkehr, den Geruch der Abgase schon fast vergessen, Schlaglöcher und Abrisshäuser, zugemauert, vergitterte Fenster wechselten sich genauso ab wie Neubauten und Zeugnisse aufstrebender Selbstständigkeit. Kioske, Autohandel.

Heute auf meinem Spaziergang durch Budapest, mein freier Tag – ich treffe einen Reisebekannten Rosto, bin zum Frühstück eingeladen, genieße mit ihm viele Gespräche, Reiseerinnerungen und Reiseerfahrungen, genieße mit ihm das Zusammensein.

Budapest hat eine Glanzseite und Schmuckseite, eine authentische Seite, eine historische und eine irritierend reale. Zwischen den Zeilen, neben den Wegen, in den Vorstädten und mitten drin, sind Alterungsspuren, Craquelé, Narben an Häusern, Wänden, Spuren der Geschichte da. Sie sind da und man spürt dass sie angenommen sind. Man lebt mit ihnen.

Jetzt komme ich zu Begegnungen

24.4.2019

Die Fahrt von Gabcikovo nach Komarom

Ich hatte mir die verblieben ca. 200 Kilometer bis BudaPest in drei Etappen vorgestellt.
Nur durch Zufall habe ich im Internet einen Campingplatz, auf der Strecke nach Budapest einem drittel der Strecke, gefunden.
Ich will mich noch nicht zu langen Etappen quälen, mal hindert mich mein Knie, mal meine Kondition, mal der Verstand.
Ich will noch weit und ich möchte es mir nicht verderben.
Ich bin auch heute noch, nach bald 2 Wochen, gut im Schnitt.
Ich bin nicht sehr schnell und nicht zu langsam.
Ein Drittel der Strecke bis nach Budapest waren grob 75 Kilometer.
So kam ich nach Komarom.

Es gibt ein slowakisches Schwesterchen oder Brüderchen auf der anderen Donauseite.
Mit der Überfahrt ins ungarische empfand ich eine sich dem Alltag, den Umständen, den geringeren Möglichkeiten gegebenen, ergebener Haltung. Vielleicht mit mehr Stolz, vielleicht mit mehr Pragmatismus. Vielleicht realistischer. Das Schwesterchen wirkte kampfbereiter, aufstrebender, wagemutige. Aber vielleicht täusche ich mich ja auch.

Ich kam guten Mutes.
Die Fahrt war lustig. Entweder ich hatte einen glatten Asphalt, dann gab es mächtig Gegenwind oder bei Windstille löste der Asphalt die Langeweile und sich auf, dann wechselte es sich mit groben, holprigen Betonplatten, ab, oder ich kämpfte ich mich über duzende Kilometer Kies und Sand.
Komarom erreicht, mir hatte es gereicht.

Etwas konsterniert stand ich vor einem Eisentor des Campingplatzes.
Eingezäunt wie in einem Lager. Der erste Eindruck war nicht heimelig. Mittig zum Platz, zur Straße hin, stand ein Holzhaus, die Rezeption. Gläserne, verschlossene Türen, mit einem Durchgang zum Platz hinein.
Man eröffnete mir, dass sie nicht viel Platz für Zelte hätten, nur ein kleines Eckchen, direkt schräg gegenüber. Aber ein Thermalbad, ein Schwimmbad und die Anlage dahinter, wären an den Campingplatz angeschlossen. Nun gut dachte ich mir, der Preis ist unwesentlich höher zu den anderen Campingplätzen, soll mir doch egal. Ich war müde und wollte nicht weiter, sah keine Alternative, ergab mich dem kleinen Eckchen, welches man mir zugewiesen hatte, Platz Nummer 1 und fügte mein kleines Zelt zwischen offensichtlich sehr etablierte Camper ein.

Nach kurzer Zeit wurde ich das erste Mal beschnuppert. Freundliche, mit Verlaub gesagt ältere, Herrschaften spingsten mal um die Ecke, begutachteten das Fahrrad, musterten gutmütig das Gepäck, lächelten freundlich und grüßten und schauten staunend auf die Ausrüstung. Es folgten ein paar kurze interessierte freundliche Gespräche, unaufdringlich, zurückhaltend, nett.

Es gab hier eine ausgeprägte Nachbarschaft. Etwas was sich hier wohl über einen sehr langen Zeitraum gebildet hat, aufgebaut, gewachsen ist.
Ich war etwas skeptisch, wenn „die“ sich hier alle kennen, sind meist Territorien abgesteckt, der Schrebergarten eingezäunt, Grenzen klar gesetzt. Grenzen die man nicht übertreten darf.
Ich dachte, das kann ja anstrengend werden.
Die Anlage wirkt teils wie aus den Siebzigern, teils aus den späten Achtzigern, Vorzelte an vor Jahren abgestellten Wohnwagen, grau, matt, von Wind und Wetter gegerbt zeigen ein unglaubliches Durchhaltevermögen.

Ich nutze das Thermalbad, lies mich in dem warmen Wasser treiben, Gedanken versunken betrachtete ich die Besucher. Sie redeten, schwatzen miteinander, viele kannten sich, grüßten, lachten und liessen sich, wie ich, dann an dem schräg auslaufenden Becken nieder.
Angenehm. Es war so angenehm. Alles hatte eine unglaublich friedliche, angenehme Ausstrahlung.
Zurück am Zelt kramte ich meinen Lesestoff aus, schnappte mir mein Telefon und ging zu der Bude auf dem Platz, wollte noch was essen und was trinken.
Dann lernte ich die Nachbarschaft kennen. Von mir hatte man ja schön gehört, das Rad gesehen, vom Nachbarn erfahren es soll nach China gehen.

Was folgte war ein wunderbarer Abend.

Viele meiner Zelt- Platz- und Tischnachbarn kamen aus Zwickau, aus Sachsen, sie kommen aus dem Osten, manche kannten sich schon seit über 30 Jahren, trafen sich dort auf dem Platz neben dem Thermalbad, jährlich, manche zweimal jährlich, an der Bude, gehen seit duzenden Jahren zusammen schwimmen, baden und erholen.
Sie kennen sich. Und ich der Fremde. Ich fühlte mich dort überhaupt nicht fremd, nicht ein Gefühl des Unbehagens zwischen den Nachbarn.
Man kam als Fremder. Ich wurde befragt, und beschaut und man hatte über mich gesprochen. Aber das Gefühl war warm, es war offenherzig, das Interesse war ehrlich, es war schön, war mit dabei. Ich durfte mit an Ihren Tisch, wir tranken zusammen und wir redeten, wir hörten zu, man erzählte und man war zugänglich.
Mitteilsam, aufnahmewillig, offen. Neugierig.
Ich habe nicht mehr all ihre Namen im Gedächtnis, aber ihre Gesichter, Ihre Stimmen, Ihr Lachen.

Der Morgen danach.
Ich setze mich vor mein Zelt, frühstücke mein Müsli, eine Banane, trinke etwas Saft.
Die ersten Frühaufsteher gingen rüber in das angeschlossene Bad, gingen schwimmen, baden.
In Morgenmänteln, mit geschulterten Handtüchern, drehten sie ihre Runde an meinem Zelt vorbei, wünschten mir eine gute Fahrt, eine gute Reise.
Man brachte mir noch Kaffee, Kuchen und ein geschmiertes Brot vorbei.
Frug mich ob ich noch was brauche, Strom, ob ich noch etwas aufladen möchte. Schenkte mir Löffel und Becher.
Sie kommen alle aus dem Osten. Haben eine Zusammenhalt, Offenheit, Herzlichkeit und Freundlichkeit die ansteckend ist, dankbar macht.
Ja Swen aus dem Osten, ich wäre gerne noch einen Tag bei euch geblieben, hätte gerne mehr von euch erfahren.
Im Osten geht die Sonne auf.

Dann ging es weiter für mich.

Komarom – Visegrad 84,4 Kilometer ( kleiner Campingplatz neben der Straße, einzige Besucher seit Wochen, so schien es.)

Visegrad – Budapest 65,5 Kilometer (Es war ein sehr warmer tag, bis 31 °C , hatte zuwenig getrunken, war total platt danach)