die Melodie Batumi

12.6.

Batumi hat viele Melodien,

teils ein betagter alter Badeort, teils Domizil gut Situierter, teils kurzzeitiges Urlaubsziel neureicher Anrainer.
Es lebt die Altstadt vom alten Glanz, vergangenem Glamour, Blüten herrschaftlicher Zeiten
es pulsiert das Leben einer neuen Generation,
es regiert die Lust auf Wein, kurzweiliger schneller Entspannung, zwischen steiniger Küste, Weinbars, und einer unzahl thailändischer Massagesaloon.

Ich habe die Vorstadt, die Außenbezirke noch nicht gesehen.
Aber das Leben, der Tourismus konzentriert sich auf die Altstadt und einem Kilometer langen Meerespromenade.

Es ist warm, schwül warm, die Wäsche trocknet nicht mehr so schnell, ein laue Brise geht über diesen Ort. Mittags steigen die Temperaturen…man sehnt sich auf den frühen Abend, eine leichte Abkühlung, auf ein kaltes Bier…einem leckeren georgischen Wein.

Tags hört man Chanson, es klingt nach italienischen Liebesliedern, französische anmutende verträumte Klänge.
Die Nacht bricht ein. Die Straßen werden von mehr und mehr Autos belebt, sie fahren leise, viele Elektrofahrzeuge, es wird kaum gedrängelt, es ist eng, man arrangiert sich.
Ich habe das Gefühl in den Straßen klingt das Leben nach einem melancholischen Liebeslied, verlassene, befriedigte, Zigaretten rauchende Einsame und glückliche Paare sitzen an den Bars, im gelblichen Licht, trinken Wein, träumen von gestrigen, hoffen und leben auf das Morgen, lachen, reden und lassen entspannt die Zeit verrinnen.

Ich spüre Belmondo, le Professionnel, der Profi…erinnere mich der Klänge, der tiefgehenden Stimmung die Morricones brillant mit seinen Werk vermitteln konnte. Sie untermalen mein Auge, erreichen mein Herz, bilden den Rahmen der Empfindungen für den Abend.

Das Abendessen wirkte auf der Karte abgebildet, frischer, saftiger. Doch wirken die Grundzutaten hier alle natürlicher.
Ich kann mich an die meist immer nur milde gewürzten Speisen nur wenig gewöhnen. Nur zu langsam. Unser Gaumen, in der Heimat, belastet von Geschmacksverstärkern, über und versalzen, nach gesüßt, die schlechten Speisen industriell gefertigter Nahrungsmittel, Ergänzungsmittel, kaum verdaulicher fetter, kalorienreicher Fabrikprodukten haben unsern Geschmack, die Rezeptoren versaut, abgetötet geschwächt.
Schon seit dem Balkan ist mir aufgefallen, dass hier Speisen weniger gesalzen, weniger nach gesüßt sind als in unserem so fortschrittlichen Westen.
Tomaten dürfen sich hier Tomaten nennen.

Der Ort ist gestopft voll mit Hotels, Pensionen, Guesthouses, billige bis extravagante Absteigen.

Georgien steht nun an.
Eine neue Simkarte ist besorgt, die erste Orientierung zu Orten, Distanzen zu gefasst. Wäsche wird gewaschen. Ich war beim Barbier, wurde rasiert, frisiert, mit Heißwachs Haare aus Ohren und Wangen gerissen, der Zopf gekürzt, die Kotletten gestutzt, der Schnäuzer entfernt, mit Paste die Falten gestrafft, mit Cremes die Haut gepflegt, mit Rosenwasser die Haut massiert.
Jetzt muss ich langsam noch mein Rad richten. Die Kette pflegen, reinigen, spannen und neu fetten. Arbeiten die alle 500 bis 1000 Kilometer notwendig werden. Hier alle drei Wochen, zu Hause einmal im Jahr.

Morgen soll es weiter gehen. Etwas unruhig, gespannt bin ich auf meine nächste Tagesetappe, der Küste entlang, Richtung Poti. 400 Kilometer, etwas mehr oder weniger sind es bis Tiflis, es kribbelt, etwas unsicher bin ich, mache mir Gedanken zu den nächsten anstehenden Visa Angelegenheiten, hätte gerne weniger Gepäck, kann mich bis auf ein paar Kleinigkeiten von nichts trennen. Selbst Kleinigkeiten mit nur einem geringen Gewicht stehen zur Disposition, werden in die Wagschale geworfen. Eine Baseballkappe, ein extrem kleines Stativ, eine kleine zur Zeit Leere Dose, ein zweiter Akkupack….eine Regenjacke, denn ich hätte ja auch noch einen Poncho, nicht so schick, aber leichter.

Viele Gedanken zu der nächsten Stufe, rein nach Vorderasien. Es wird warm werden, es wird heiß werden. Und es wird in die Berge gehen.

Aber gleich erstmal die Kette spannen.

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