Khekhik – Sanobad homestay

23.Aug.2019 8/29 Pamir

Khekhik – Sanobad homestay

47,85 Km 4:18 Std. 11,08 Schnitt 719 Höhenmeter

 

Motivationstief, sehr tief.

 

Die Nacht hat mich geschafft,

nein ich habe den Tag in der Nacht nicht verarbeiten können.

Lass mich den heutigen Tag mit dem Ende des gestrigen Tages beginnen.

Überanstrengt?!. Um 19:00 schlug ich mein Lager auf, zu müde mich zu konzentrieren. Jede Handlung überlegte ich zweimal und zur Sicherheit ging ich jeden Schritt noch mal durch.

Wo lege ich den Schlüssel ab, das Portmonee, den Brustbeutel, die Brille, die Taschenlampe, Kamera, Pass.

Es war ein lauwarme Nacht, die Fliegen verzogen sich, ein paar Sterne kamen durch, der Wind legte sich etwas, das Rauschen des Flusses drang bis nach oben zur Raststation.

 

Ich hatte mich mit dem Wirt geeinigt. Er kam mit dem Taschenrechner und zeigte mir die Zahlen.  Zwei Hände an ein Ohr gehalten, Zeichen für Schlafen, 20, Piva, Bier 20, Soup 15, Chai 3.

Matten wurden ausgelegt,  ein Plastiktischdecke von der gegessen wird neben mein Lager ausgebreitet, das Essen aufgetischt.

Ich aß, trank und wollte mich gleichzeitig hinlegen, ausstrecken.

Ich nahm mir meinen leichten Baumwoll-Schlafsackinnenbezug, der reichte, es war lauwarm, legte mich hin und dachte nur was hast du dir da angetan?

Ja ich war stolz, war sehr mit der Leistung zufrieden, fand die Bestätigung, dass die richtigen Pausen zur richtigen Zeit die Tagesleistung um ein vielfaches erhöhen.

Es war so eine Wohltat sich hinzulegen, auszustrecken. Ich dachte, dass ich jeden Moment in einen tiefen Schlaf fallen würde. Aber dem war nicht so. Meine Gedanken kreisten, ich lag da, wach, sah wilde streunende Hunde ums Lager schleichen, andere Leute die sich ein paar Meter weiter auch ihr Lager auf schlugen, der Wirt und die beiden jungen Frauen, Töchter vielleicht, die abräumten, irgendwann das Licht löschten.

Die Pickserei, das Stechen begann mitten in der Nacht. Keine Mücke war zu hören, kein Summen zu hören. Es gibt vielerlei Getiers das sticht, beisst. Mücken in allen Größen, selbst Fliegen gibt es die sich irgendwie, schmerzlich, ein Stückchen heraus zubeißen vermögen.

Doch ich konnte keine Tierchen ausmachen. Die Stiche brannten stark, juckten sehr lange, an schlafen war nicht zu denken. Jedes Hilfsmittel, Abwehr und Heilmittel trug ich auf. Nichts war zu machen, nichts half. Ich vermutete Flöhe. Ich war sauer. Überlegte was ich mit der Wäsche und dem Schlafsack machen sollte.

Ich musste auf Toilette, nahm mir meine Stirnlampe, stand auf.

Im Schein der Lampe sah ich sie. Extrem kleine Flieger. Vielleicht so etwas wie kleine Fliegen, kleiner als unsere Fruchtfliegen. Keine Flöhe, ich war beruhigt, nun musste nur der Schmerz, der Juckreiz aufhören.

Die Lösung war, dass ich mich so tief in den Baumwollsack verkroch, das ich über mir schließen, von innen zuhalten konnte. Noch 4 Stunden zu schlafen.

 

Das Aufstehen fiel mir schwer, das essen, das trinken, das Rad packen, alles fiel mir schwer.

Ich blickte auf die Karte. 80 Kilometer bis Roshan, so hatte ich es an vorherigen Tag errechnet. Gestern fast hundert, heute achtzig, morgen blieben nur noch 60, dann würde ich es in drei Tagen tatsächlich bis nach Chorug schaffen.

Verrechnet.

Ich quälte mich.

Körperlich ging es, ging es einigermaßen. Aber mental?

Ich sah den Weg wie kaputt er war, sah die Furchen, sah die Anstiege, sah das Geröll.

Fand keinen Weg der Motivation, sah keine Etappenziele, sah für mich bei der Aufgabe achtzig Kilometer zu schaffen, keine Lösung.

Nach 11 Kilometer, ich war schon eine Stunde unterwegs den ersten Tee, nach 33 Kilometer gegen 12:00 Mittag, Essen, zwei Stunden Rast, eine Stunde geschlafen. Noch mal fast 50 Kilometer fahren zu müssen erschreckte mich.

11 Km weiter sollte es ein Homestay geben. 11. Eine Stunde Fahrt. Das wollte ich noch mal angehen. Das war eine greifbare Größe.

16:08 angekommen.

Körperlich ging es, mental am Ende. Ich wollte nicht mehr.

Das Homestay , welches auf der Karte eingetragen war, war das Haus neben dem das ich ansprach, das mich aufnahm.

Es ist einfach. Es ist sehr einfach.

Dusche ist ein Eimerchen am Baum, es gibt kein Bad, Toilette am Ende des Garten, mein Bett, mein Lager ist vor der Kochecke, in Anbau am Haus, überdacht, die Fenster aus Plastikplane.

Egal. Ich fahre nicht weiter.

Es ist einfach hier.

Das Essen, Kekse, Spiegeleier, gekochte Kartoffeln, eine Tomate.

Aber die Kartoffeln schmecken nach Kartoffeln, die Tomaten, durften sich Tomaten nennen. Ein toller Geschmack, wie ich ihn schon wieder Jahre lang nicht mehr hatte.

 

Ich trinke Tee, sitze, starre auf mein verstaubtes Gepäck, sehe die grauen und braunen Ränder von dem Staub auf meinen Beinen, die Abdrücke der Socken, die Schweißränder am Trikot.

Ende für heute.

Morgen sind es jetzt nur noch 35 Km bis nach Roshan. Ich denke sogar an einen Ruhetag.

Ich will nicht mehr den ganzen Tag auf den Boden, auf die Stecke, auf den Staub gucken.

 

 

 

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