Kalai Chumb – Khehkik

22.Aug.2019 7/29 Pamir

Kalai Chumb – Khehkik

98,75 km • 8:34 Std • 11,52 km/h  Durchschnitt •12 Std. unterwegs • 1424 Höhenmeter

 

Wir hatten uns im letzten Hostel darüber unterhalten, Radfahrer, Reisende, Reise Bekanntschaften, wie die Strecke zu fahren sei.

Dreimal 80 Kilometer  bis nach Chorug, 240 km gesamt, das würde gut passen. Wie die Strecke ist, wie gut sie läuft, wie die Steigungen, wo man sich gut verpflegen könnte, müsste man unterwegs entscheiden, sehen, anpassen.

Drei Tage Fahrt lagen vor mir.

 

Ich startete zeitig, um acht Uhr ging es los.

Ich traf auf  Fahrradfahrer, eine Sophie aus Frankreich, die Aufnahme mit der Gopro ist leider nichts geworden, sie sagte sie sei an dem Tag müde, ich war voll motiviert mir ging es gut, war gerade erst 30 Kilometer gefahren.

Die zweite oder dritte Pause machte ich bei ca. 57 Kilometer. Traf dort auf einen italienschen Motorradfahrer, er wollte gerne bis Rushan, weitere 120 Kilometer, dort beginnt das Bartang Tal, das würde er gerne durch fahren, es ist hart, härter, steiler, grober, es ist einsamer, es gibt mehrere Flussdurchfahrten, das traue ich mir nicht zu.

Auf meiner Karte sah ich einen Versorgungspunkt in 20 Km und ein Restaurant und ein Campground in weiteren 20 Km.

Das wollte ich versuchen. Zwei 20 Kilometer Etappen klangen nicht so unrealistisch, ich schöpfte Mut aus dem Tag, aus der bisher geleisteten Arbeit.

 

Es wurde lang, die Strecke zog sich, der Sand stoppte, die Hände begannen zu schmerzen, die permanenten Schläge auf die Knöchel machten sich bemerkbar.

Ich traf nach zehn Km, 30 hatte ich noch vor mir auf einen Franzosen, mit Rad, wir sprachen über die Strecke, über das Wahkantal, das nachfolgende, es war nicht aufbauend.

 

Die Sonne neigte sich, ich begann zu rechnen, ist die Strecke überhaupt noch im Hellen zu schaffen? Der angestrebte Platz zu erreichen?

 

Zehn Kilometer vor dem Ziel, eine Passkontrolle, die Sonne verschwand hinter den Gipfeln, vor mir stellte sich ein letzter Berg in den Weg. Am Fusse des Berges eine LKW Raststation, einfach, nicht einladend.

Ich riskierte es. Stieg wieder aufs Rad, lies die Absteige links liegen und schnaufte den Berg hoch. Zeit Licht am Rad an zumachen.

Man denkt nicht mehr, man rechnet, versucht zu rechnen, schaut auf die letzten Werte der Durchschnittsgeschwindigkeit, schaut auf den Tacho, schaut auf den Berg, schaut auf die Uhr, es wird langsam dunkel.

Ich erreiche die Passhöhe, trinke, richte meine Lampe am Rad aus, ich hatte mich verrechnet, überschätzt, die Strecke unterschätzt, ich fahre im Dunkeln den Berg runter.

 

Den ganzen Tag musste ich Schlaglöchern, Spurrillen, Sandverwehungen, dickem Geröll, härtesten Wellblechabschnitten, und ich weiß nicht was noch alles ausweichen. Bremste die Fahrt, erschwerte das Vorankommen. Jetzt im Dunkeln war es noch schwieriger.

Nach 98 Kilometer.

Rechts der Straße ein erleuchteter, ummauerter Garten, ein paar Tische und Stühle unter den Bäumen, eine paar von diesen erhöhten Tisch-Bett-Lager-Kombinationen, ein Bude in der gekocht wurde.

Ich fragte, gibt es Bier, gibt es etwas zu essen, kann ich hier schlafen?

Ja. Ich blieb. Ich hätte auch nicht mehr gewusst wo ich sonst hätte hinfahren können. Drum herum war alles dunkel und aus.

 

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