neun Tage

Neun Tage

Grüner Tee auf der überdachten Terrasse, ein kleiner Flecken Wiese vor mir, Zeit und Möglichkeit mit den Tagesberichten zu beginnen. Nach neun Tagen.

Ich wollte mit meiner Einfahrt nach Tadschikistan beginnen, die Grenze von den Russen vor ewigen Jahren neu gezogen liegt direkt vor den aufsteigenden Bergen. Aus Usbekistan kommend kündigt sich Tadschikistan mit prächtigen, stolzen Massiven an. Staune. Die Rücken der schroffen Felsen oft karg, vor hundert Jahren kahl geschlagen, Bäume und Grün findet man nur in den bewirtschafteten Flächen, nah der Dörfer, nah der Straßen, aufwendig über tausende kleine Kanäle, Aquädukte mit dem wertvollen Nass aus den Bergen versorgt.

 

Ja und dann begann am 2 August meine ersehnte Fahrt nach Dushanbe, der Hauptstadt Tadschikistan. Endlich.

Nach ein 2,5 Wochen ohne Training spürte ich meine Knochen, die verweichlichte Muskulatur versagte fast, die geringe Kondition dämpfte die Geschwindigkeit. Es tat meiner Freude und dem Genuss den Wandel der Flora der Landschaft wieder zu sehen, Erinnerungen an meinen letzten Besuch wurden wach, aber keinen Abbruch. Neben den Unmengen an Aprikosenbäumen, sie sind gerade reif, ihre Früchte werden am Straßenrand angeboten, werden in der Sonne getrocknet, stehen die schlanken Pappeln, sich im Wind zitternd, rufend, spitz, von weitem sichtbar auf ein Dorf, auf eine bewohnte bewirtschaftete Fläche hinweisend.

Einzigartig.

Ja und dann kamen Kinder. Immer, alle, jedes kam angelaufen, wenn es einen erspäht hatte, rief „hello, hello, hello“. Sie möchten den vorbeifahrenden Radfahrern die Hände abklatschen, zum verweilen animieren, wissen woher man kommt „ откуда, откуда, otkuda, woher, woher kommst Du?Es ist eine Freude. Nur wenige nerven, nur selten war ich zu müde zu antworten. 68 Kilometer am ersten neuen Fahrtag. Ich finde auf Umwegen ein nettes Hostel, endlich nach langer Zeit ein gescheites Wifi, Wlan Netz, nehme einen Film auf den ich schnell und unkompliziert auch noch hoch laden konnte.

(https://www.facebook.com/395639377897693/videos/483045242263817?s=100000786791385&v=e&sfns=mo

) Just in diesem Moment des Schreibens kommt ein Nachricht von einer Freundin rein, die geschickt, nach diesen neun Tagen darauf hinweist, dass es Zeit ist die Gedanken zusammen zu fassen, sie befürchte, dass ich vielleicht zu viele schöne Details vergessen könnte. Wie Recht sie doch hat.Auch das Konzept meines heutigen Tagebucheintrags ist mir jetzt schon etwas aus dem Ruder gelaufen. Ich erinnere mich wie ich beginnen wollte, was ich zu welchem Zeitpunkt erwähnen wollte, wie ich den Stimmungsbogen aufbauen wollte. Es hat nicht geklappt. Zurück zur Straße, dann doch chronologisch, Tag Zwei. 78 Kilometer mit vielen Steigungen und langen Abfahrten bis zu einem Wildcamping Platz.Wir bekamen…ach ja wir, Antonia, vergaß zu erwähnen, eine junge Frau, begleitet mich, oder ich sie, unterwegs eine reife, große Honigmelone geschenkt. Gewicht, Gewicht. Für die tadschikischen Männer bin ich mit ihr verheiratet, nicht mit der Melone, um lästigen Angeboten und Fragen zu entgehen, es ist, wäre meine Dritte Ehe. Dann sorgte ich an dem letzten kleinen Magazin noch für genügend Getränke, Wasser zum kochen, Wasser für den Frühstückskaffee, Wasser für die nächsten ersten Kilometer am kommenden Tag. Fünf Flaschen. 7,5 Liter / Kilogramm plus die Melone. Nach einem anstrengenden Tag zwingt mich das zusätzlich Gewicht an den letzten Steigungen fast in die Knie. Der Zeltgrund, der Campspot auf I Overlander gefunden, eine App mit zusammengetragenem Wissen und Erfahrungen von Fahrzeugfahrern, war alles andere als romantisch, aber abgelegen, trocken und sicher. Und langweilig.Langweilig empfinde ich auch den heutigen Text. Da mache ich mir während des Schreibens darüber Gedanken wenn ein Bekannter (P.) sagt es wäre ihm zu langatmig. Neun Tage kann und will ich auch gar nicht beschreiben, nur wenn ich euch bestrafen wollte, könnte und ihr auch wirklich alles lesen müsstet und würdet.Also knapper heute.(Da macht sich der Schreiber zum Untertan des faulen und eigentlich nicht interessierten Lesenden)Der Dritte Tag hatte wieder alles was ich erwartet, erhofft hatte, gab mir das was das Reisen, was das Radreisen ausmacht. Der Kontakt zu den Menschen, die Nähe, die viele Zeit die Atmosphäre vor Ort einzuatmen, aufzunehmen, sich drin zu baden. Einzutauchen. Ich konnte die Bergwelt, die unglaublichen Formationen, die Spuren der Erosionen, die Spuren die die Kraft des Wassers hinterlässt bestaunen. Wir stiegen in einer der niedrigsten Absteigen ab. Kleine Räume, ein Hockklo am Ende des Gartens, ein Baderaum mit kaltem Wasser aus einer Regentonne und sehr heißem, Holz gefeuertem, erhitztem Wasser. Ich trank Tee mit der Großmutter des Hauses, saß draußen bei den Kindern, sah den Frauen beim nähen, waschen, den Hausarbeiten zu. Die Unterschiede in den sozialen Verhältnisse in Tadschikistan sind gewaltig. Monatseinkommen von 50,-€ bis 100,-€ sind keine Seltenheit. Menschen, Kinder, junge Mädchen, es war in der Mittagshitze, direkt vor der Hauptstadt, schlugen aus abgelagerten Bauschutt Moniereisen, verkäufliche Metalle, schlugen und gruben mit Hämmern und Hacken, schoben bis zur vollkommenen Ermattung Karren. Daneben fahren hier teure neue Marken Fahrzeuge zuhauf rum. Sieht man Reichtum, weniger, an allen Ecken. Mein Mittagessen in Dushanbe, in einem normalen, gutem Restaurant, kostete schnell mal 8,- bis 10 $. Anfahrt auf Dushanbe. 5.AugustNein ich bin nicht den Anzorbtunnel und auch nicht die 20 Kilometer Steigung mit 8 % bis 12%. Das hätte ich nicht geschafft und den Tunnel nicht überlebt!Der Tunnel ist gute 5 Kilometer lang, stark befahren, nahezu ohne Licht und er hat keine Lüftung. LkWs, Kohletransporter. Die Sicht ist katastrophal, Fahrzeuge überholen, blind, Fahrzeuge fahren ohne Licht, der Geräuschpegel infernalisch, die Luft zum schneiden voller aufgewirbeltem Dreck. Für Motorradfahrer gesundheitsschädlich, für Radfahrer tödlich. Ich denke das Risiko in dem Tunnel überfahren zu werden liegt bei 50/50 oder vielleicht sogar 80/20.Also wer nicht im Tunnel sich Schmerzen zu fügen möchte, der soll es so wie ich machen, nehme ein Taxi oder trampe durch, beginn nach dem Tunnel mit einer genussvollem, Aussichtsreichen, 70 Kilometer langen Abfahrt und verheddere Dich bei über 40 Km/h mit dem Vorderrad in einer Ausbesserungsstelle im Asphalt und stürze. Schürfwunden an Knie, Ellbogen, Hüfte, Rippenschmerzen und einen ganz ordentlichen Schrecken habe ich mir so selber zugefügt. Die vordere linke Gepäcktasche hat einen kleinen Riss abbekommen, der Rest ist aber alles heil geblieben.

 

Dushanbe.

Ich wohne privat.

Ein „Warmshower-Host“ zu deutsch, ein Gastgeber der Reisenden ein Bett und eine warme Dusche anbietet.

Da bin ich jetzt schon dankbare 4 Nächte.

Hier bereitete ich meine Unterlagen für das indische Visum vor, konnte Wäsche waschen, eine neue Sim-Karte kaufen, Gepäck aus sortieren und unbesorgt lecker essen gehen.

Wie man sich irren kann. Die Bakterienstämme hier in den „Stans“ sind so unterschiedlich, uns so fremd, dass im Grunde jeder Reisende mal Durchfall bekommt.

Bei mir brach das Gewitter vorgestern Nacht aus, stundenlang. Das Entleeren, die Krämpfe, den Zitter, die Kälte und Frostgefühle bei 30°C Raumtemperatur, muss man überstehen, dann aushungern. Ich esse seit 2 Tagen nichts, aber auch gar nichts mehr und hoffe bald wieder zu Sinnen zu kommen.

Die Unterlagen für Indien, ich musste neue Passbilder anfertigen lassen, größer, habe ich abgegeben. Eine Express Bearbeitung kennen sie nicht, haben die Damen und Herren der Botschaft noch nichts von gehört.

Jetzt heisst es warten, bis ich das Visum bekomme, bis ich losfahren kann.

Losfahren in den Pamir. Untrainiert. Abgemagert. Das soll mir erstmal einer nachmachen.

 

https://www.youtube.com/watch?v=paimTyp83_8&list=PLRv06bGnz60L9IrSjP-W4xATFAxQugmMp&index=4

 

Mein Bart muss bald ab

 

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