es perl(te) an ihr ab

Dienstag 13. Aug. 19

Es perl(t)e an ihr ab.

Es wird Zeit, das es wieder los geht. 9 Tage in Dushanbe sind zu lang.

Dushanbe, Hauptstadt Tadschikistans.
Sauber, gepflegt, bietet alles. Es wird gebaut. Alte Viertel werden abgerissen, riesige Neubauten werden hochgezogen, über Geschmack kann man streiten, über die anscheinend mindere Qualität eher nicht. Es gibt viele Regierungsgebäude und allzeit sichtbar der winkende Führer des Landes der Präsident des Landes. Emomalij Rahmon.
Plakativ hängt er vor jeder Schule, jedem staatlichen Haus.
Aber irgendwie ist es auch langweilig hier. Gestern wollte ich auf Photosafari gehen. Nach einer Stunde brach ich die Suche nahezu ergebnislos, emotionslos ab.

Auch wenn ich manches gerne noch vor mir her schieben würde – Mensch Houf –
doch noch gibt es einen Grund, zu warten – das Visum Indiens ist noch nicht fertig.

Es setzt mich zu nehmend unter Druck. Ich weiss nicht wie viel Zeit, ich, mein Körper, für den Pamir brauchen. Schaffe ich es körperlich und konditionell die 1280 Kilometer in jetzt nur noch verbleibenden 28 Tagen zu fahren?
Ich möchte die Süd Route zum Pansch fahren, sie ist einwenig länger, aber landschaftlich schöner. Es ist meine alte Route von 2011. Es ist eine wichtige Etappe für mich. Emotional aber auch ganz rational. Es war der Höhepunkt der ersten Reise Richtung China.
Ich war damals von der Kargheit, den ausdrucksstarken Felsen und Gebirgen, der Einsamkeit, dem reißenden Fluss ungemein fasziniert.

Der „Stein“.
Ich bringe ihn nun zurück. Sein Herz liegt auf dem Pamir vor dem Tien Shan Gebirge und er gehört nicht nach Köln.
Zum Verständnis sollte ich dies kurz erklären.
Es ist für diese neue Reise, mit neuen Beweggründen, neuen Erfahrungen, nicht wichtig. Aber es ist ein Detail.

Auf dem Höhepunkt des letzten Passes, bevor es runter ins grünere Kirgistan ging, raus aus dem Pamir fand ich einen Stein, der für mich alles in sich barg was die Reise für mich bedeutete. Ich erkannte nicht nur die Reise.
Ich blickte zurück auf die Strecke die ich gefahren war, ich blickte zurück auf das was mich bewegte zu dieser Reise, ich blickte zurück auf mein Leben, ich blickte zurück auf die Begleiter in meinem Leben, meine Geschichte und sah meine Sehnsüchte.
Ich nahm ihn auf. Brachte ihn über 17000 Kilometer bis nach Köln und wollte ihn, meiner vergangenen Liebe, Beziehung übergeben.

Sie nahm ihn nicht an.

Wir hatten unsere Beziehung schmerzlich aufgegeben, sie verhungern lassen, hatten dem Anderen nicht den Raum gegeben den er brauchte. Uns fehlte die Kraft. Hatten nicht über unsere Bedürfnisse geredet. Große Chancen vertan.
Es wäre allerdings sehr falsch diesen einen Stein alleine nur dieser einen Frau zu münzen.
Das tue ich auch nicht. Nein – Der Stein ist ein Zeitzeichen, er birgt mehr die Momente, Erinnerungen, Erfahrungen und Erkenntnisse die ich gewonnen habe, die ich in meinem Leben gemacht habe. Er birgt mich.
Der Stein im Brett, der Stein auf dem Herzen, der im Magen, einer voller guter Erinnerungen.

Beziehungen in meinem Leben:

Nun die Drei Beziehungen…
waren es vielleicht die Wichtigste Liebe, die Größte Liebe und die Beste Liebe?
Die wichtigste Erkenntnis, Ereignis, Liebe in meinem Leben kam erst als ich dazu bereit war.
Ich musste davor dafür durch die Hölle gegangen sein und gute vierzig Jahre alt werden.
Alles vorher war larifari, Schein, Trug, verblendet und blöd.
Ich war vorher unfähig zu fühlen, zu spüren, zu verstehen, zu vertrauen, zuzulassen, zu lieben.
Ich hatte das nicht gelernt. Dem entsprechend konnte ich es auch nicht zeigen, geben, zulassen.
Den wichtigsten Wandel brachte meine Weinprinzessin.
Den größten Wandel brachte Perle, Nähe, Tiefe und Hingebung.
Der beste Wandel kam unerwartet mit Vertrauen, Zuversicht, Verlässlichkeit und Beständigkeit.

Vielleicht stand die größte Liebe, eine andere, vorher schon mal neben mir, ich habe sie aber nicht wahrnehmen können, war zu beschäftigt, hatte nicht die Antennen, habe sie nicht gesehen, hatte zu viel Schiss, wer weiss?
Es gibt auch das Verhängnisvolle. Das man sich nicht traut zu riskieren, weil man sich vielleicht unsicher ist, der Konsequenzen bewusst oder unsicher. Vielleicht gehen damit die größten Lieben an einem vorbei – man wird es nicht erfahren, bevor man sich nicht traut, es zu lässt.

Genug damit.

Ich bringe nun den Stein dort hin zurück, wo er für mich gefühlt hin gehört, auf den Pamir.

Und dann etwas für meine Mutter, nicht für sie alleine, aber ihr möchte ihr die Zeilen, das Gedichts Rilkes “Du musst das Leben nicht verstehen“ widmen, denn in dem Gedicht klingen ihre Worte, zeigen sich Bilder ihrer Lebenseinstellung. Kann man von lernen.

Du musst das Leben nicht verstehen,
Dann wird es werden wie ein Fest.
Und lass dir jeden Tag geschehen
sowie ein Kind im Weitergehen
von jedem Wehen
sich viele Blüten schenken lässt.
Sie aufzusammeln und zu sparen,
Das kommt dem Kind nicht in den Sinn.
Es löst sie leise aus den Haaren,
drin sie so gern gefangen waren,
und hält den lieben jungen Jahren
Nach neun seine Hände hin.

Jetzt harre ich hier gespannt auf meine Weiterfahrt.

Also gehabt euch wohl.

Thomas (te)

Im September werde ich in China sein
Im Oktober hoffentlich in Pakistan,
Im November wahrscheinlich in Indien
Und im Dezember in Nepal, Weihnachten Silvester in Kathmandu, Phokara
Wer weiss.

Liebe Bina, Sylke und Manfred…dann wird die Zeit kommen uns auf unser 25 jähriges Fest zu freuen.
Januar – werde ich noch in Indien (das 2x mal) sein
Februar – Myamar
März – Thailand Kambotscha
April Laos / Vietnam
Anfang Mai müsste ich da sein ..wie vor 25 Jahren

Wir werden es sehen. Sehen jetzt nur schon noch besser aus.

 

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