von Mölln nach Köln Skandia 8

Skandia 8

Schrecksekunden

Ich gebe etwas Gas, die Skandia hebt sich sanft aus dem Wasser, streckt sich in den bedeckten Himmel, der Motor dröhnt, einzelne Sonnenstrahlen blitzen von Backbord in das Ruderhaus, blenden, ich weiche einer gelb schwarzen Warnboje aus, die die Ausfahrt eines kleinen Hafen anzeigt, sie öffnete sich zwischen den sanften glatten Deich, kaum merklich, von großen alten Bäumen beschattet, einer mit vielleicht gerade einem duzend Liegeplätzen, höchstens vier Meter breit ist die Einfahrt, er lag versteckt und eingebettet in einem Hain schwerer Eichen.
Eine schnelle Reaktion.
Einmal hart Backbord, die Skandia hob sich weiter, legte sich leicht zur Seite, gutmütig, schwerfällig, doch ich kam kurz vor der Tonne rum, zielte mit dem Bug auf das Ufer ging dann auf hart Steuerbord, legte den Gashebel ganz runter, die Drehzahl, stieg von 1100 auf 2000 Umdrehungen, führte die Skandia mit 9 Knoten zurück, aus der Gefahrenzone in die Gewässermitte.
Dann blitze ein grelles rotes Licht auf. Radar. Ich wusste ich war zu schnell.
Der Lappen war weg.

Attila hatte gesagt ich müsste hin und wieder den Motor mal frei blasen, immer im Standgas fahren verstopft den Motor.

Dann wachte ich erschrocken auf. Der Wecker klingelte, 6:30 Uhr.
Glück gehabt. Und doch denke ich daran als wäre es wirklich so geschehen. Ich hatte nur ein Glas Rotwein, eine verheerende Wirkung, wenn es daran liegt, das ich so Träume, die Tage, das Gesehene, das Erlebte so heftig verarbeiten.

7:44 Frühstückstisch
Der Himmel bedeckt, grau, mäßiger Wind, es regnet, es ist trübe.
In der Nacht noch war es trocken und verhältnismäßig warm, barfuß konnte ich über das Deck gehen, den Sternenhimmel beobachten, die Nacht davor eiskalt, im Morgengrauen war der aufsteigende Nebel, heute so scheint es wird so traurig bleiben.

Vorsichtig fahren ist die Devise.

65 km ging es heute, aus dem Mittellandkanal heraus, und dann noch weitere 2 km in den Dortmund Emskanal. Anlegen auf 26 1430 UTC September, 52 ° 15,318N 7° 38.094 E
Somit 6,5 Stunden Fahrt für 65 Stunden Kilometer. Das reicht an Strecke und es ist sanft im Verbrauch.

Ansonsten:

Es gibt Leute die lieben die Kanalfahrten, es gibt Leute die langweilen sich zu Tode, man musste kaum jemandem ausweichen, nicht anlegen, man hatte keine Schleuse, der Himmel war bedeckt, vereinzelte Spaziergänger, Hundebesitzer, ein paar Angler waren verstreut am Ufer, keine weiteren interessanten Ereignisse.

Ohne Radio, ohne Telefonate, ohne Gedudel, die Zeit erleben, einfach sein, ein bisschen den Hund streicheln und zwischendurch den Mitfahrer an schnauzen.
Schon sind 7 Stunden um.

Und noch sieben Schleusen liegen vor uns, in kurzen Abständen, hüpfen wir runter. Aber das beginnt alles erst ab morgen. (Es gibt keinen Rotwein mehr an Bord, das bleibt auch so)

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