es tut doch gar nicht mehr weh

Ach es tut doch gar nicht mehr weh…..

Oder doch ?

Gedanken…ich muss sie mal loswerden

September 2019 Tadschikistan, ich quäle mich gerade über den Pamir, es sind alte Geschichten die mich bekräftigen, alte Bilder, nicht abgeschlossene unbeantwortete Fragen, die mich bewegen, mir die Qual erleichtern, die Pässe, durch unwegsame Gebiete, durch Einsamkeit, Atemnot, peitschende eisest Kälte, mich treiben.
Spurensuche.
Die Fragen warum man sich das antut, habe ich beantwortet.
Vielschichtig sind sie, für jeden gibt es andere Gründe der Herausforderung sich in die Einsamkeit zu stürzen, sich aus dem angenehmen Bett, dem eingefahrenen Alltag zu bewegen.
Kindheitserinnerungen.
Erinnerungen an das Leben als Kind, die Aufgaben die einem gestellt worden sind, die man bewältigen musste, der Mut der einem zugesprochen wurde, das Selbstbewusstsein, das einem mitgegeben, gestärkt worden ist, oder auch nicht.
Unterbewusstsein.
Ein Verlangen nach Befriedigung, nach Bestätigung, nach Liebe, nach Sein, nach Authenzität.
Schmerzliche Erfahrungen, Bilder, Gefühle die wieder aufkommen, nicht verarbeitet, nicht bewältigt, nicht ausgelebt, verlangen nach Erinnerung, Auffrischung, verlangen durch wiederholten Schmerz die erneute Auseinandersetzung, einen Weg der Bewältigung…schmerzlich, Erinnerungen.
Befriedigung durch Bestätigung, durch du kannst es, du schaffst es, du bist.
Es ist nur eine Triebfeder, meiner Soloreisen, die Einkehr, der Klausur.

Egal – zu viel der Worte. Das nur am Rande.
Erklärend wäre es nötig, notwendig, die Zeit der Kindheit zu beleuchten, die Zeit im Internat, meine Begegnungen in der Schule, mein Blick auf die Welt, meine erste Freunde , Meine erste Freundin. Ja spannend. Auch ein Blick auf meine Lehre, mein Lehrmeister, meine erste Ausbildung und mein Weg, mein erster Schritt in die Welt.

Wann habe ich die Welt betreten?
Ich weiß es nicht. Die Bühne, oder die Bretter die die Welt bedeuten?! Geboren ja, da gewesen ja, eingeschult ja, Freunde und Bekannte gab ja. Aber hab ich den Boden berührt? War ich ich?
Das mag jetzt für Manchen zu schwierig sein! Das verstehe ich. Aber lasst euch vergewissert sein, die Worte stimmen, der Sinn ist da, Ich stelle mir tatsächlich diese Frage.

Daher gehören dieses Soloreisen auch zur Suche, ohne Ablenkung, weit entfernt vom Alltag, reduziert auf das Wesentliche, nach dem „Sein“, nachdem Ich.

September 2019, Pamir, Ich bin erschöpft. Habe eine gewaltige Etappe hinter mir. In wenigen Tagen würde ich nach monatelanger Anreise eine Geschichte, eine Sache die mir immer wieder mal, immer noch auf dem Herzen lag, vielleicht beenden können.
Ein extrem hoher Pass, eine ganz markante Stelle, eine Erinnerung, es war ein wegweisender Wendepunkt meines Lebens auf einer Acht Jahre zurück liegenden anderen Reise.
Dort wollte ich ein zweites Mal hin, etwas zurücklegen, was vielleicht nicht nur dorthin gehörte, Etwas was man im Herzen tragen aber nicht woanders hin bringen konnte.

In jenen Tagen, es ist nun gut ein Jahr her, erhielt ich Zwei Nachrichten.
Das Haus meiner Kindheit, der Betrieb, der meine Kindheit, meine Beziehung zu meiner Mutter, mein Leben über 48 Jahre direkte, beeinflusste, belastete, meinen Alltag und das Familienleben gestaltete Stand kurz vor dem Verkauf, vor der Schließung, vor der Auflösung.

Ich wollte ihn noch einmal sehen, erleben, da sein, Abschied nehmen.

Dann erhielt ich Nachricht von meinem ersten Ausbilder, meinem Chef, meinem Freund, meinem väterlichen Freund, Seine Krankheit ist fortgeschritten, Er ist den Behandlungen müde, möchte mich Wiedersehen.

Ich wollte ihn noch einmal sehen, erleben, da sein, Abschied nehmen.

Das Haus meiner Mutter, der Betrieb, ist verkauft, Ist geschlossen worden. Ich hatte noch einmal die Zeit, die Möglichkeit, durch die Räume zu gehen, am letzten Tag mit Nachbarn, alten Gästen, Freunden, dort ein paar Tage zu genießen, alte Erinnerungen wurden geweckt, manche albern, manche lächerlich, manche ärgerlich, manche wunderbar.
Die letzte Nacht auf der Wiese zelten, Abschied nehmen.
Nach 47 Jahren, der erste Morgen danach, der Betrieb ist geschlossen, kein Hausmeister kommt, kein Arbeiter, kein Angestellter, kein Gast, Für das Haus, für meine Mutter, der erste Tag ohne, frei.
Ich konnte gehen.
Ich sollte gehen. Meine Mutter schickte mich weg. Ohne Frühstück. Ohne Kaffee. Im Auftrag und mit dem Wunsch Ihres Lebensgefährten, Mann Nummer Fünf, ihm gerecht zu werden, Ihm zu folgen, Wie sie’s schon immer gemacht hat, gab mir die Position, erinnerte mich daran welcher Reihenfolge sie lebt, wie sie lebte, wie ich sie erlebte.

Es tut gar nicht mehr weh.
Sie hatte nicht die Kraft, war sich nicht bewusst darüber, die Wiederholung der Geschichte, meiner Kindheit, meiner Jugend, wiederholend, Einfach zu sagen: Das ist mein Sohn, er bleibt.
Ich bin gefahren.
Man geht und sucht sich einen Weg. Es muss weitergehen.

Jetzt ist es bald ein Jahr her.

Mein Freund liegt im Sterben, ist im Hospiz, empfing mich zu einem letzten Besuch, Adbschied nehmen, schließt mit seinem Leben ab, In Frieden, in Einigkeit mit seinem Umfeld, seiner Familie, seinen Freunden.

Es war sicherlich eines der traurigsten Momente meines Lebens, Jemanden zu sehen, der wissend, Ruhig, und doch voller Spannung auf seinen letzten Moment wartend, liebevoll ist, und sich gerne von seinen ihn liebenden verabschiedete.
Er hat mir nicht nur sehr viel bedeutet, Ich habe sehr viel von ihm gelernt, Umgang, Vergebung, Aber auch beflissentlich zu sein, ernsthaft und ehrlich, Doch vor allem respektvoll zu allem, zu den Lebenden, zu den Toten zu unserer Natur, zu unserer Welt.
Ich liebe Ihn, und ich werde ihn vermissen. Bin mir sicher dass ich manch einen meiner nächsten Schritte heimlich, mit ihm abstimmen werde: Ihn den fragen:
„Chef! Soll, Kann ich das so machen?“

Und dann gibt es den kleinen Intriganten – der die Zeit Anderer stiehlt. Sich in den Mittelpunkt stellt, dafür lügt, und heimtückisch ist, der hetzt und aufwiegelt, in seiner kleinen Not und Gier nach Beachtung.

Er ist ein Wurm, mir egal. Ein Krümmel. Engstirnig, eifersüchtig, ein Aufschneider, ein Besserwisser, ein Intrigant. Man soll nicht so abschätzig über Jemanden reden. ja , ne , soll man nicht.
aber er darf es gerne erfahren.
Ich muss und ich werde und ich brauche nicht mit dem leben.
Soll er in seinem Leben, mit seinem Leben, mit seiner Art und mit meiner Mutter glücklich werden.
Aber er stiehlt Zeit. Er stiehlt und bestimmt die Zeit meiner Mutter.

Meine Mutter, sie lebt Luftlinie keine 500 meter von unserem Haus weg hat es in einem Jahr nicht geschafft sich einen Nachmittag, alleine, uneigennützig, nach mehreren Angeboten zum Kaffee, zu einer Unterredung, Gespräch, zu einem Spaziergang gemeinsame Zeit zu verbringen.

Keine Zeit.
Was bin ich es leid zu hören keine Zeit. Zeit hat man nicht…Zeit nimmt man sich. Man nimmt sich Zeit für Freunde, Familie, für persönliche Briefe, Aufmerksamkeit, Empathie.
“Findet man keine Zeit..nimmt man sich keine Zeit für etwas, für Jemanden…dann weiss man wo steht.

Ich hatte das Glück in meinem Leben Klaus kennen zu lernen, habe seinen Lehre angenommen, durfte Zeit mit ihm teilen.

Und dafür bin ich sehr dankbar.

Lebe wohl, Klaus, du warst immer stark, Ja, …wie schreibst Du in deinen letzten Zeilen; mit beiden Fäusten hast Du gekämpft,…nein mit einem großen Herzen.
Und es tut kaum noch weh…

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