Jetzt mal mit Begleitung

10.5. – 13.5.2019
Jetzt mal mit Begleitung

Kovin

„in Kovin“ bin ich stehen geblieben. Das war mein letzter Eintrag.
Klatschnass, müde und ich hatte auch keine Lust mehr.

Die nächste Absteige sollte meine sein, in Kovin. Das war sie dann auch, das Beli Bor.
Was für eine Absteige. Und verhältnismäßig teuer war sie dann auch noch.
Eine schmale Stiege im Hinterhaus führte zu einer handvoll kleiner Zimmer, eng, wenig Licht und schon gar keine funktionierenden Lampen, im Bad und am Bed.

Ein radelndes Pärchen fand sich ein.
Nach meinem Abendessen, der Blog der letzten Tage war fertig und hoch geladen, gesellte es sich dazu, wir quatschten über dies und das, den vergangen Tag, sprachen über Schlamm und Dornen und fanden heraus dass wir eine gemeinsamen Bekannten haben.

Den nächsten Tag wollten wir mal zusammen starten.

10.5.2019
von Kovin nach Gobulac

Ich genoss es nur mal mit zu fahren, nach zu radeln, ich hängte mich hinten dran.
Der Kopf wird freier.
Ich musste nicht überlegen, will ich eher über den Damm oder den längeren Weg über den Asphalt. Ich mache mir keine Gedanken über Pausen, Geschwindigkeit. Jörg und Vera nahmen mir das ab.
Ich stimmte einer Route zu. Bis 12:00 Uhr wollten wir an einer Fähre sein, nur alle drei Stunden sollte sie fahren, so erfuhr ich, nun denn dann wird man keine unbestimmte lange Wartezeit haben. 4 Restaurants lagen am Ufer, viel versprechend, attraktiv für mich direkt das erste. Ein fetter Kanonenofen bollerte, heizte den innen liegenden, mit duzenden Bildern und Karten schön gestalteten Gastraum auf, Blicke von Bob Dylan und anderer Größen aus den 70er fielen auf die hölzernen Tische.
Der angenommene Takt; 6:00, 9:00, 12:00 war einer anderer, nach langer Pause, leckerem Essen, gemütlichem pausieren lasen wir auf einem handgemalten Schild 7:30, 10:30 und 13:30.
Zeit für einen weiteren Kaffee und Beschnuppern zweier weiterer Radler, die auch auf dem Weg zum schwarzen Meer sind, Süd Tiroler, ein „Auer“ und ein Meraner, dessen Namen ich leider vergaß.

Wieder eine Fährfahrt. Am Deck bildeten sich wechselnde kleine Grüppchen, kurze Informationen werden ausgetauscht, wer, wohin fährt, zum Kapitän, zu Besatzung geschaut, den mitfahrenden Autofahren zu genickt, aber vor allem bin ich auf dem Strom, der Strom der mich nun seit Wochen führt, dem ich folge, Fisch reich, einer der ältesten Wasserstraßen, Grenzfluss, Lebensader, Verbindung hunderter Kulturen, schlängelt er sich durch halb Europa, von Deutschland, durch die Alpen, am Balkan vorbei, durchbricht Gebirge und öffnet sich in ein großes Delta, in Rumänien zum schwarzen Meer. Nach dem Ablegen umfährt die Fähre eine kleine Landzunge und mit einem Mal erlangt der Blick freie Sicht auf eine riesige Wasserfläche, Seen gleich, die Donau breit und sanft.

Der Fluss fließt behäbig, langsam, doch stetig. Grünlich, braun, sanft. Ich spüre auf der Fähre seine Kraft, die Ruhe die in ihm liegt, die Gelassenheit. Er transportiert, nimmt mit, ernährt, kommt und geht vorüber.

Vera, Jörg und ich blieben und fanden uns bis nach Gobulac zusammen. Rhythmus und Stimmung stimmte.
Im Ort mussten wir uns ein bisschen suchen, bis wir eine Unterkunft, die uns zusprach nahmen. Bedrückende Löcher, oder zu teuer.
Das Haus am Ort, eigentlich, wir von 2 Motorradfahrern erfuhren, sie waren gestrandet, ein Moped lief nicht mehr richtig, ausgebucht oder unwillig Zimmer zu vermieten, entschied sich nach freundlichen Neckereien, Augenzwinkern dann uns doch noch 2 Zimmer herzurichten.

Aida und Paul, Motorradweltreisende, entpuppten sich als sehr gesellig, witzig und ungemein symphatisch.

11.5.2019 Gobulac – Denji Milanovac

Ein weiterer Tag mit Vera und Jörg sollte folgen, Frühstück im Hotel, die beiden Vegetarier verschmähten ihr Rührei mit Speck, ich übernahm es, immer sollte am heutigen Tag ein längerer Anstieg, die ersten 400 Höhenmeter, folgen. 8 Eier können dann ja nicht schaden.
Der Tag lief gut, angenehme 60 Kilometer bis Denji Milanovac.
Im Ort trafen wir noch mal auf unsere Süd Tiroler, tranken eine Cola zusammen.
Gespräche, eingehendere, gezieltere, interessiertere Fragen kamen auf.
Es ist etwas anderes, ob man nur ein leichtes Geplänkel hat, oder ob sich jemand mit einem, mit einem Thema, einer Thematik, mit jemanden wirklich beschäftigt.
Ich öffne mich ganz anders, erzähle anders, mehr, tiefer gehend, gebe, lasse mehr zu.

Dazu brauche ich aber eine gewisse Sicherheit, eine Ahnung, ein gutes Gefühl. Ich will mich mit meinem Gegenüber verständigen. Auf eine Wellenlänge kommen. Empathie.
Echter Austausch, Erfahrungen, Mitteilungen.
Erzähler gibt es genug, Selbstdarsteller, oder freundliche, oberflächliche nicht wirklich an anderen, neuen Perspektiven Interessierte. Sie haben keine Empathie. Sie reflektieren nicht.
Sie sagen einem auch nichts. Also was soll es.

Es berührt wenn sich jemand in einem hineinversetzen kann.

Es war noch früh, doch lohnte es sich nicht weiter zufahren. Am nächsten Tag sollte es für mich nur bis Kladovo gehen. Weitere 70 Kilometer.
Wir, noch wir, Jörg und Vera und ich entschieden uns in Denji Milanovac zu bleiben.
Auf Google fand ich eine Pension für nur 10 €,-. Im Netz sah die Pension schon vielversprechend aus. Wir beachten nicht, nein wir missachten wissentlich, dass die Pension zwar nur in1 Km aber 86 weitere Höhenmeter höher, etwas abseits vom Ort, liegt.
Am Ende des Tages einen Weg rauf mit über 8 – 12% Steigung, eine unglaubliche Quälerei, ich konnte das Rad nur noch mit Mühe hoch schieben.
30 Meter vor dem Haus, den ganzen Berg sich rauf gequält, blieben die Beiden stehen. Sie wollten zurück in den Ort, sich nicht einmal mehr die Pension ansehen.
Ich blieb. Dem Herzen und Magen folgend. Und wurde belohnt.
Ein kleines Paradies. Ich war begeistert, ich habe mich sofort geborgen und sauwohl gefühlt.
Ein liebvoll gestalteter Garten, eine Terrasse mit Fernblick, die Donau, der Ort zu Füßen. Der Balkon ein Ort zum verweilen, mit allem zu frieden, nichts brauchend, in völliger Ruhe und Gelassenheit saß ich dort über eine Stunde, musste nichts tun, den Blick schweifend und konnte mich an dem Panorama nicht satt sehen.
Dann kam das Abendessen. Oh Gott. Alles Hausgemacht, selbst gemachte Limonade, aus Quitte, Minze und Zitrone, frisch gekochte, starke, klare Suppe, Gemüse, panierte gebackene Auberginen, ein Gedicht, ein Schnaps, eine Wohltat.
Sonnenuntergang.
Die Grillen zirpten, Kuckkucks riefen, Vögel zwitscherten…
Hier komme ich gerne wieder hin! Versprochen

12.5.2019
Ich will zeitig in Kladovo sein. Wollte aus privaten, organisatorischen Gründen, ein geschäftliches Anliegen in Köln, telefonieren. Sollte in der Mittagszeit erreichbar sein, brauchte dazu Internet, in einem Kaffee sollte ich Wi Fi, ein freies Wlan netz finden.

Da es schnell gehen muss, erspare ich euch die detaillierte Beschreibung des Frühstücks, die Vielfalt, den Palatschinken, die Obstauswahl etc etc etc.

Von Denji Milanovac nach Kladovo
Es ist die Strecke am „eisernen Tor“ vorbei. Die Donau verengt sich, Rumänien ist zum greifen nah, der Fluss zwängt sich durch die schroffen Felsen.
Bei der Abfahrt gesellte sich ein Hans aus Österreich, wir trafen uns alle vor Veras und Jörgs Pension, noch zu uns.
Die Fahrt begann locker, die Gespräche zwischen durch sorgten für Kurzweil, die Berge ließen sich leicht nehmen. Wir staunten noch gemeinsam über die Schönheit der Natur, schossen noch ein paar Bilder, standen zum Gruppenbild zusammen, dann musste ich aber langsam los. Die Zeit drängte, ich ging nicht mehr mit den anderen Dreien zum Fluss runter, sondern machte mich, von nun an wieder alleine, auf den Weg nach Kladovo zu meinem angesprochenen Telefonat.

So genug geschrieben. Es ist der 13. Mai 2019 heute. Mein Ruhetag, vor allem aber auch Wäschewaschtag, was mir von meiner Pensionswirte, für wenig Geld, abgenommen wurde.
Ich will jetzt noch mal mir ein bisschen den Ort, vielleicht auch die Festung, oder einige der römischen Fundstücke, anschauen.

Ich mache mir oft Gedanken, wer die Menge (1248 Wörter bis hier hin) liest. Ich komme nur alle paar Tage zum schreiben, und nur alle paar Tage zum hoch laden der texte und Bilder. Seit so nett, wenn es zu viel ist, teilt es euch auf. Und habt Spass. Ich hoffe, dass mein Tagebuch für euch ein bisschen für Kurzweil sorgt.

Seit umarmt.

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